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So international kann ein Studium sein
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Von Sarajewo über Trondheim nach Kaiserslautern

Dino Mehmedagić stammt aus Bosnien-Herzegowina. Der 26-Jährige hat sich im Laufe seines Elektrotechnik-Studiums auf „Eingebettete Systeme“ spezialisiert. Nach dem Bachelorabschluss in Sarajewo hat er den dafür perfekten Masterstudiengang gefunden: den European Master in Embedded Computing Systems (EMECS). Die TU Kaiserslautern bietet das Zwei-Jahresprogramm gemeinsam mit drei Partneruniversitäten an.

Von Unispectrum live • Julia Reichelt

Eingebettete Systeme bestehen aus Hardware und Software. Sie stecken in Autos oder Smart Phones und verwandeln klassische Fertigungstechnik in eine Smart Factory, indem sie Daten verarbeiten sowie Prozesse in komplexen technischen Umgebungen steuern. Dabei sind sie darauf ausgelegt, jeweils eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen – so, wie etwa eine Uhr als Zeitanzeigesystem dient.

Bachelor in Sarajevo

Dino Mehmedagić ist in der Welt der eingebetteten Systeme mittlerweile ein Experte: „Zu Beginn meines Studiums lag mein Fokus darauf, vorhandener Hardware mittels Programmierung eine Funktion beizubringen. Später habe ich mich darauf spezialisiert, den Code zu schreiben, der das Design einer künftigen Hardware bestimmt.“

Der Weg zu seiner heutigen Qualifikation hat ihn ins Ausland geführt. Seinen Bachelor absolvierte er an der International University of Sarajevo, einer Privatuniversität. Dort hat er das erste Mal internationale Luft geschnuppert und zwei Auslandssemester in der Türkei absolviert. „Das hat meinen Horizont erweitert“, sagt er heute rückblickend.

Exzellenz-Master in Kaiserslautern

Auf der Suche nach dem passenden Masterstudiengang hat ihm ein Freund den Tipp gegeben, sich über die Erasmus-Mundus-Studiengänge zu informieren. Diese Exzellenzausbildungen werden jeweils gemeinsam von mehreren europäischen Hochschulen angeboten. Bei EMECS ist die TUK federführend und kooperiert mit der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim (Norwegen), der University of Southampton (England) und dem Politecnico di Torino (Italien).

„Wer sich für eingebettete Systeme in allen Facetten interessiert, für den ist EMECS ein tolles Sprungbrett“, sagt der junge Bosnier. „Und ich hatte sogar das Glück, eines der begehrten Stipendien zu bekommen, was mir die Grundfinanzierung sichert.“ Das erste Studienjahr 2018/19 hat er in Trondheim verbracht, weil er neugierig auf den hohen Norden war. Danach ist er nach Kaiserslautern gekommen und bereut diesen Schritt nicht: „Es gibt hier nahezu alles, was man braucht. Und es lebt sich sehr angenehm, weil die Stadt bodenständig und übersichtlich ist.“ Auch der Campus hat es ihm angetan – vor allem die Hängematten im Grünen, die zu Entspannungspausen einladen.

Sichere Hardware im Blick

Während seiner wissenschaftlichen Ausbildung an der TUK hat er neue Aufgabengebiete für sich entdeckt: Das Verifizieren von eingebetteten Systemen und Systems-on-Chip (SoC) im Hinblick auf Informationssicherheit. Das passiert bereits in der Entwicklungsphase. Konkret geht es darum, Hackerangriffe und Datenleckagen frühzeitig zu vermeiden. Das ist nicht zuletzt bei besonders sicherheitsrelevanten technischen Anwendungen, etwa in der Medizintechnik oder beim autonomen Fahren, essentiell.

Forschend an der TUK geblieben

Seine Masterarbeit hat er Dino Mehmedagić entsprechend in der Gruppe Prof. Dr. Wolfgang Kunz, der EMECS-Programmkoordinator ist, geschrieben. Dieser hat eine spezielle Methodik namens UPEC „Unique Program Execution Checking“ entwickelt, um Sicherheitslücken in Hardware-Architekturen aufzuspüren. Dabei ging es zunächst um Vertraulichkeit – sprich, dass sensible Daten sicher verwahrt bleiben. Ausgehend vom Grundkonzept, hat Dino Mehmedagić auch den Aspekt Integrität erforscht und eine angepasste Methodik entwickelt. Damit lässt sich sicherstellen, dass potenzielle Angreifer den Betrieb eines eingebetteten Systems nicht verändern können.

Da er im Zuge seiner Masterarbeit viele Idee gesammelt hat, wie sich die Methodik nachfolgend verfeinern und weiterentwickeln lässt, ging es für ihn 2021 mit einer Doktorandenstelle weiter. So wird der junge Ingenieur noch weitere Zeit in Kaiserslautern verbringen.

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Erstellt
am 27.07.2022 von
Julia Reichelt