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Vietnamesischer Mathematik-Student wird für besonders gute akademische Leistung ausgezeichnet

Der Vietnamese Quang Lê Duc wird mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender geehrt. Sein Mathematik-Studium mit Schwerpunkt Algebra konnte er kürzlich an der TU Kaiserslautern mit Bestnoten abschließen.

Von Unispectrum live • Christine Pauli

„In der Mathematik muss jede Aussage streng und logisch bewiesen werden. Jede Aussage muss zu 100 Prozent richtig sein. Das gefällt mir“, antwortet Quang Lê Duc, fragt man, was ihn an Mathematik fasziniert. Der Vietnamese wird in diesem Jahr mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender geehrt. In Kaiserslautern studierte der inzwischen 32-jährige reine Mathematik mit Schwerpunkt Algebra. Seine Masterarbeit bei Prof. Dr. Ulrich Thiel konnte er kürzlich abschließen.

In seinem Heimatland absolvierte er zuvor einen Bachelor-Studiengang in “Computer Science & Engineering”, – um anschließend im IT-Sektor tätig zu werden. Wegen seines Interesses an Mathematik schloss er einen Bachelor in “Mathematics Teacher Education” an. Doch damit war der Wunsch, mehr über mathematische Zusammenhänge zu erfahren, nur umso mehr geweckt: „Nach dem Bachelor wollte ich Algebra vertiefen.“ Wegen der qualitativ hochwertigen Ausbildung habe er sich dann für ein Studium in Deutschland entschieden.

Die Wahl fiel auf Kaiserslautern, – weil die Uni für ihre Algebraforschung bekannt ist

„Außerdem haben mich immer viele talentierte deutsche Mathematiker und Mathematikerinnen wie Emmy Noether, David Hilbert und auch andere inspiriert“, berichtet Quang Lê Duc. An der TU Kaiserslautern habe er sich beworben, „weil mir ein Freund davon erzählt hat. Und die Universität für ihre Algebraforschung bekannt ist.“ Im Vorfeld habe er sich außerdem mit Arbeiten von TUK-Professor Andreas Gathmann beschäftigt, die ihn sehr angesprochen haben.

Sehr gut aufgehoben habe er sich während seines Studiums in Kaiserslautern gefühlt. Zunächst musste er einige Basiskenntnisse aufholen: „Lücken konnte ich durch den Besuch von Grundkursen an der TU schließen.“ Einer seiner wichtigsten Kurse sei die Commutative Algebra von Professor Mathias Schulze gewesen. Die dort erworbenen Kenntnisse haben ihn für das weitere Studium gerüstet.

Nahezu alle seine Prüfungen im Studienschwerpunkt Algebra hat Quang Lê Duc mit sehr guten bis exzellenten Zensuren bestanden. In seiner Master-Arbeit mit dem Titel "The algebra of distributions on an affine group scheme" beschäftigte er sich mit einer Problematik im Schnittbereich der Darstellungstheorie (Theorie der Symmetrien) und der algebraischen Geometrie (Lösungen von Polynom-Systemen). Für die Abschlussarbeit erhielt er die Note 1,3.

Helfen, damit andere an Bildung kommen

Doch nicht nur der Mathematik gehört Quang Lê Ducs Interesse, auch für benachteiligte Menschen setzt er sich ein: In seinem Heimatland beispielsweise hat er Schulabsolventen aus ärmeren Regionen durch die Organisation von Spenden, Unterkünften und Transportmöglichkeiten dabei unterstützt, an Aufnahmeprüfungen der Ho-Chi-Minh-Universität teilzunehmen. Für ihn selbst war ein Hochschulstudium alles andere als selbstverständlich: Seine Eltern sind Einzelhändler – er ist der Erste in seiner Familie, der studiert hat.

Auch Bewohner eines armen Dorfes unterstütze er durch Spenden und sogar landwirtschaftliche Arbeit. Auf seinen vielfältigen Einsatz angesprochen, zeigt sich Quang Lê Duc bescheiden: Er sei nicht besser als andere. „Einige Menschen haben einfach nicht genug Gelegenheit zu studieren und zu wachsen.“ Viele ihrer Probleme gehen aufgrund mangelnder Bildung in der Regel an ihre Nachkommen über. „Wenn wir ihnen nur ein bisschen helfen können, damit sie genügend Bildung bekommen, um für sich und ihre Kinder ein gutes Auskommen zu haben, wäre das großartig.“

„Wenn Ihr den Dreh raus habt, dann werdet ihr das Leben hier sehr genießen“

Den Master-Abschluss hat der engagierte junge Mann nun in der Tasche. Wie es für ihn weiter geht? „Mein Plan ist es, in Deutschland einen Job zu finden, um Erfahrungen zu sammeln.“ Und vielleicht möchte er promovieren, um weiter zu forschen.

Was ihm durch den Kopf gegangen ist, als er von der DAAD-Auszeichnung gehört hat? Er sei überrascht gewesen. „Mein Gedanke war, was für eine große Ehre. Dieses Privileg verdanke ich Professor Ulrich Thiel, der mich während meines Studiums und meiner Abschlussarbeit sehr unterstützt hat.“ Zukünftigen internationalen TUK-Studierenden möchte er mit auf den Weg geben: „Es kann in den ersten Monaten hart sein, aber wenn ihr den Dreh raus habt, dann werdet ihr das Leben hier sehr genießen. Und bittet um Hilfe, wenn ihr ein Problem hat. Ich finde, die Mitarbeiter unserer Universität waren sehr hilfsbereit und freundlich zu mir.“

Der mit 1.000 Euro dotierte DAAD-Preis soll dazu beitragen, internationalen Studierenden an deutschen Hochschulen Gesichter zu geben - und sie mit Geschichten zu verbinden. Quang Lê Duc sagt dann noch, fast so als wolle er von sich selbst etwas ablenken: „Es gibt so viele tolle internationale Studierende rund um die Universität in Kaiserslautern.“ Einer von ihnen ist er.

Aufgrund der Pandemie ist Quang Lê Duc derzeit in Vietnam und nicht an der TUK. Er nahm die Auszeichnung virtuell entgegen. Dr. Stefan Löhrke, Vizepräsident für Studium und Lehre, (re. im Foto) hat den Preis gemeinsam mit Professor Dr. Ulrich Thiel „überreicht“. 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 21.12.2021 von
Melanie Löw

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