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Und Beton schwimmt doch
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Studierende der TUK am Start der Betonkanu-Regatta

Aus ganz Deutschland traten Ende Juni studentische Teams zur 17. Betonkanu Regatta bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Neckar in Heilbronn an. Zum fünften Mal nahm ein studentisches Team der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) teil. Die Regatta ist eine Mischung aus Beton- und Bootsbautechnik, Wettkampf und vor allem Spaß!

Von Unispectrum live • Simone Wagner

„Viele denken erst mal ein Boot aus Beton, das kann doch nicht schwimmen? Dabei vergessen sie, dass Stahl eigentlich eine viel höhere Dichte als Beton hat und noch schwerer ist“, erklärt Ayhan Celebi, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet „Werkstoffe im Bauwesen“ von Prof. Wolfgang Breit. Das „archimedische Prinzip“ ist eigentlich ganz einfach: Ein Schiff erhält durch das Verdrängen des Wassers Auftrieb und schwimmt an der Oberfläche, solange die Dichte des Materials geringer ist als die von Wasser.

„Ziel des Projekts ist es, den Studierenden eine andere Anwendungsart von Beton zu zeigen. Bei uns hat man im Studium viel Theorie aber auch die Praxis im Labor“, erklärt Celebi fort, der das 15-köpfige Team der TUK betreut. „Die Herausforderung für die Studierenden besteht darin, ein Kanu zu konstruieren, das schwimmt und gleichzeitig wettkampftauglich ist.“ Das Betonkanu muss nicht nur schnell sein, sondern auch wendig, um den Slalomkurs der Strecke zu bewältigen. „Die Studierenden müssen hier Ableitungen aus der Hydrodynamik anwenden“, fährt er fort. „Zudem lernen sie, wie sich Beton unter verschiedenen Bedingungen verhält, das Wissen können sie später auch bei der Arbeit auf der Baustelle anwenden.“

Ein Semester lang beschäftigen sich die Studierenden mit dem Projekt. Bevor es an die Konstruktion geht, werden zunächst die Theorie und die Basics erarbeitet, danach folgt der planerische Teil. „Schummel-Verpackungen“ sind bei der Betonkanu-Regatta nicht erlaub. Eine Jury prüft, ob die Vorgaben bezüglich der Mindestlänge- und breite oder der verwendeten Materialien und ihre Zusammensetzung eingehalten werden.
Von den Studierenden wird nicht nur fachliches Wissen, sondern auch organisatorisches Geschick verlangt. Die Teammitglieder übernehmen eigenverantwortlich Teilaufgaben, planen und gestalten das Kanu, gehen auf Sponsorensuche und organisieren die Anfahrt und den Transport zum Wettkampfort.

Beim Wettbewerb gibt es Preise in Kategorien wie: „das schnellste Damen- und Herren-Team“, „die kreativste Konstruktion“ und „das am schönsten gestaltete Regatta-Shirt“. Sogar einen „Pechpreis“ gibt es für das am meisten vom Pech verfolgte Team.

Auch der Bootsname fließt in die Wertung mit ein: „Wir versuchten einen Bezug zur Stadt Kaiserslautern herzustellen, in diesem Jahr haben wir uns auf den Namen der `Flotte Hecht`geeinigt“, erzählt Celebi, denn der Hecht ist Teil des Stadtwappens von Kaiserslautern.

Besonders spannend wurde es für das Team am Tag vor dem Wettkampf, denn aufgrund von Bauverzögerungen hatten die Studierenden dort zum ersten Mal die Gelegenheit, ihr Kanu auf seine Schwimmfähigkeit zu prüfen. „Der Moment, als wir unser 125 kg schweres Kanu zum ersten Mal ins Wasser ließen und sahen, dass es schwimmt. Wir atmeten zu diesem Zeitpunkt alle erleichtert auf und freuten uns riesig. Wir wussten, ab jetzt kann nicht mehr viel schieflaufen“, berichtet Nadja Danter, die die studentische Teamleitung übernommen hatte.

Nach dem bestandenen Schwimmtest konnte das Regatta-Team selbstbewusst in den Wettbewerb starten. Für Danter war der Wettbewerb ein tolles Erlebnis, „man arbeitete monatelang an dem Betonkanu und konnte endlich die Tauglichkeit prüfen und unseren `Flotten Hecht` auf dem Wasser schwimmen sehen. Außerdem ist es spannend, all die Resultate der anderen Teams vor Ort begutachten zu können.“ Die Herrenmannschaft verpasste den Einzug ins Halbfinale nur ganz knapp. Die Damen haben die Vorrunde leider nicht überstanden und haben den Einzug in die Zwischenläufe knapp verfehlt. „Vor dem Hintergrund der starken Konkurrenz mit deutlich leichteren Booten, durchaus eine tolle Leistung“ berichtet Celebi zufrieden. Auf die Frage was Danter vom Projekt „Betonkanu Regatta“ für ihr Studium mitgenommen hat, erzählt sie begeistert „man lernt ein Projekt als Team zu managen, Kompromisse zu finden, gemeinsam Ideen zu entwickeln und hat dazu noch die Möglichkeit, das Wissen aus Vorlesungen und Recherchen in die Praxis umzusetzen. Die ganze Arbeit hat sich im Nachhinein definitiv gelohnt!“

Unterstütz bei seiner Arbeit wurde das Team von der Reihenhaus AG, Pagel und BSM², ohne die die Realisierung des Projekts nicht möglich gewesen wäre. Die Betonkanu-Regatta wird alle zwei Jahre von der deutschen Zement- und Betonindustrie an wechselnden Austragungsorten organisiert. Wo die nächste Betonkanu-Regatta stattfindet, steht bis jetzt noch nicht fest.

Der Moment, als wir unser 125 kg schweres Kanu zum ersten Mal ins Wasser ließen und sahen, dass es schwimmt. Wir atmeten zu diesem Zeitpunkt alle erleichtert auf und freuten uns riesig. Wir wussten, ab jetzt kann nicht mehr viel schieflaufen.

Nadja Danter