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Studierende at work – Nachhaltiges Bauen Down Under

Für elf Studierende des Fachbereichs Architektur ging es im Sommersemester für eine Exkursion ans andere Ende der Welt, nach Sydney Australien. Die Aufgabenstellung für den Holz-Workshop war klar definiert: ein innovatives Leichtbau-Holzdach komplett aus Holz ohne jegliche Metallverbinder zu entwerfen, zu konstruieren und vor Ort aufzubauen. Mit dabei war auch Florian Lapport. Der gebürtige Kaiserslauterer studiert im fünften Semester Architektur an der TUK.

Von Unispectrum live • Simone Wagner

Die Vorbereitungen an dem Holzbau-Projekt starteten bereits Monate zuvor – unter Leitung von Juniorprofessor Christopher Robeller, der in seiner Arbeitsgruppe „Digital Timber Construction DTC“ neue Möglichkeiten des digitalen Holzbaus, an der Schnittstelle von Architektur, Bauingenieurwesen, Informatik und Fertigungstechnik, untersucht. „Eine grobe Vorstellung vom Design des Dachs, das wie eine umgedrehtes Hängemodell konstruiert ist, um die bestmögliche Geometrie zur Lastabtragung zu erreichen, hatte Professor Robeller bereits“, berichtet Lapport. Die Umsetzung musste dann das studentische Team erarbeiten. „Dabei mussten wir darauf achten, dass das verwendete Material dünn genug war, damit es mit einem Roboter der Firma Kuka gefräst werden konnte und dass die Verbindungen zwischen den sogenannten HexBoxen zu 100 Prozent aus Holz sind. Wir durften keine Schrauben verwenden.“ Der HexBox-Pavillon besteht aus sechsseitigen Sperrholzmodulen, der durch die schraubenlose Konstruktion schnell zusammen und ebenso schnell wieder in seine Einzelteile zerlegt werden kann. Jede Holzbox besteht aus acht Teilen – einem Unter- und einem Oberteil und sechs Seitenteile, die zusammengeleimt wurden.

Bei der Suche nach einer Lösung für die Verbinder der Holzboxen konnte das Team auf Lapports langjährige Schreinererfahrung zurückgreifen. „Die Arbeit mit Holz ist meine Leidenschaft“, berichtet er begeistert, „zu Hause habe ich mir meine eigene Werkstatt eingerichtet“, führt er fort. Wenn es die Zeit neben dem Studium zulässt, fertigt er Möbel an, „zunächst nur für Freunde, irgendwann zeigten auch Freunde von Freunden Interesse für meine Möbel“, erzählt er. Das Geld, das er dabei verdient, investiert er direkt wieder in seine Werkstatt. Genau dort hat das studentische Team auch die ersten Prototypen gebaut, um die Verbindungsmöglichkeiten der Sperrholz-Boxen zu testen. „Die Zusammenarbeit und auch der Zusammenhalt im Team liefen richtig gut“, sagt Lapport zufrieden. So gut, dass sich die Studierenden für den Aufenthalt in Sydney über AirBnB gemeinsam ein Haus mieteten. Finanzielle Unterstützung für die Exkursion erhielten sie durch ein PROMOS-Stipendium.

In Kaiserslautern haben die Studierenden rund acht Monate an den Vorbereitungen gearbeitet, die Bauteile haben im Anschluss 20 Studierende an der University of Sydney in sechs Wochen vorgefertigt. Im August haben sie schließlich mit dem Aufbau des Pavillons am Gebäude der „Sydney School of Architecture, Design and Planning“ begonnen.

201 Holz-Boxen mussten mit 508 Holz-Verbindern wie ein Puzzle zusammengesetzt werden – in nur sieben Tagen stand der etwa 64 Quadratmeter große Pavillon. „Wir arbeiteten von morgens bis abends, damit wir rechtzeitig fertig wurden“, erinnert sich Lapport, „die letzten Boxen zu verbauen war nochmal richtig kräfteraubend“, fährt er fort. „Da die Holzboxen ohne Toleranzen geplant wurden, war Millimeterarbeit gefragt. Aber Holz ist nachgiebig, mit Hämmern und Schieben konnten wir auch die letzten Boxen anbringen“, sagt der Student weiter.

Viel Zeit die Stadt zu erkunden, blieb den Studierenden neben dem straffen Arbeitspensum nicht, lediglich für eine Führung durch das Opernhaus, eine Schifffahrt durch den Hafen Sydneys und die Besichtigung des „Daruma House“, eines der größten Holz-Hochhauskomplexe, unterbrach die Gruppe ihre Arbeit.

Das Holzdach wird vorerst bis Ende 2019 an der University of Sydney stehen bleiben, was danach mit ihm passiert ist noch unklar. Geplant ist aber, den Holzpavillon, die Gemeinschaftsarbeit der beiden Universitäten, dauerhaft zu erhalten.

Das Projekt-Team bestand aus: Juniorprofessor Christopher Robeller, Eduardo De Oliveira Barata (Dozent an der University of Sydney), Muneeb Ahmed, Carla Alkhouri, Nazgol Asadi, Minh Au, Philip Becker, Benedikt Blumenröder, Michael Calarco, Michael Connolly, Guobin Dai, Dominik Diehl, Joseph Emmi, Ziyun Gao, Satoshi Hoshino, Alvin Hui, Geun Mo Kim, Florian Lapport, Jian Howe Lee, Jingwei Li, Sarah Lutgen, Albert Marhoffer, Lynn Masuda, Jan Neklapil, Khoa Nguyen, Chaoran Ni, Liezl Pajarin, Manuel Scheib, Dipl.-Ing. Felix Schmidt-Kleespies (Doktorand bei Prof. Robeller), Wenxi Shi, Anna Specchio, William Stephenson, Haochen Sun, Ernest Sun, Valentino Tagliaboschi, Prudence Tang, Christian Tsitsos, Victoria Vuong, Rodney Watt, Iridia Xanthou.

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Erstellt
am 29.10.2019 von
TU Admin