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Eine ganz besondere Physikvorlesung mit Wasserrakete und Live-Abstimmung

30 Experimente waren im Februar in der Vorlesung „Experimentalphysik für Ingenieure/Ingenieurinnen“ im Hörsaal auf der Bühne aufgebaut, üblicherweise werden etwa 8 Experimente pro Veranstaltung besprochen. Doch für seine letzte Vorlesung an der TU Kaiserslautern hat sich Juniorprofessor Dr. Pascal Klein etwas ganz Besonderes ausgedacht: ein Best-of der schönsten Versuche des Semesters, eingebettet in eine Rückschau auf die wesentlichen Lerninhalte der Vorlesung.

Von Unispectrum live • Simone Wagner

Die Vorlesung ist nicht nur ein Semesterabschluss, der Juniorprofessor verlässt nach 14 Jahren die TUK, um seinen Ruf als Tenure-Track-Professor für „Physik und ihre Didaktik“ an der Universität Göttingen anzunehmen. „Manche Professoren, die im Grundstudium meine Dozenten waren, sind zu meinen Kollegen geworden und wir sprechen auf Augenhöhe darüber, wie wir die Lehre weiter verbessern können", erzählt Klein. An sein Studium der Physik und Mathematik auf Lehramt an Gymnasien schloss er seine Promotion an und ist seit 2018 als Juniorprofessor für Didaktik der Physik tätig. In der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Jochen Kuhn forscht er zum Lernen mit innovativen Lehr-Lernformaten für Studium, Unterricht und Lehrerbildung.

„Die Abschlussvorlesung war eine organisatorische Herausforderung“, fährt Klein fort, deshalb standen ihm gleich zwei Helfer zur Seite: Sascha Sprengard und Viktor Becker. Ein Assistent, baute die Versuche auf- und alles Notwendige um, der zweite Assistent, war für die Videoübertragung auf die Hörsaal-Leinwand verantwortlich.

„Experimente sind ein wichtiger Teil der Physikvorlesung. Zum einen, weil sie anschaulich sind und gut ankommen, zum anderen, weil sie die Studierenden aktivieren, an der Vorlesung teilzunehmen“, erklärt er. Experimente sind aber nur eine Möglichkeit, Studierende einzubinden. Für seine Vorlesungen setzt der Physik-Didaktiker auch das Online-Tool frag.jetzt ein. Damit können Studierende anonym Fragen stellen und die Fragen der anderen up- oder downvoten. „Damit kann ich einschätzen, welche Fragen für alle relevant sind“, erklärt Klein.

Noch interaktiver wird seine Vorlesung, wenn er das an der TUK entwickelte Abstimmungs-Tool voting.uni-kl.de nutzt. In seiner letzten Vorlesung ließ Klein die Studierenden über die schönsten und über die schwierigsten Experimente abstimmen. Jonas Legat, der im dritten Semester an der TUK studiert, gefiel das besonders gut, „durch die kleinen Abstimmungsrunden nach jedem Themengebiet, konnte man einerseits sehen, wo die meisten Kommilitonen auch noch ihre Schwierigkeiten haben, was sehr beruhigend sein kann, andererseits wird man einfach aktiv in die Vorlesung mit eingebunden“.
Am Ende kamen drei Versuche auf das Siegertreppchen: Den 2. Platz machte die „Wasserrakete“. Bei diesem Versuch handelt es sich um eine wassergefüllte Rakete, die unter Druck steht und durch den Ausstoß des Wassers angetrieben wird. Platz eins teilten sich das „Rubens’sche Flammenrohr“, ein Instrument zur Sichtbarmachung stehender Schallwellen mithilfe entzündetem Gas, das durch Löcher an der Oberseite des Rohrs ausströmt, und das „Fadenstrahlrohr“, ein Versuchsaufbau, der die Beschleunigung und Ablenkung von Elektronen im magnetischen Feld sichtbar macht.

„Ich habe das Ganze persönlich als eine kleine Abschlussvorlesung erlebt“, erzählt Klein. „Es waren etwa 200 Studierende der Fachbereiche Maschinenbau/Verfahrenstechnik und Elektro-/Informationstechnik anwesend, zudem Studierende der Physik, Familienmitglieder und meine Tennismannschaft, die sehen wollten, wie sich ihr Trainingspartner in der Vorlesung schlägt“, berichtet er begeistert. Auch Legat wird die Vorlesung in guter Erinnerung behalten „es war mit Abstand die anschaulichste Veranstaltung, die ich bisher besucht habe. Die vielen Experimente und dazu gut verständlichen Erklärungen von Herrn Klein waren wirklich spannend. Die letzte Vorlesung war ein super Abschluss, was nicht zuletzt daran lag, dass Herr Klein und seine Assistenten sichtlich selbst ihren Spaß an den Versuchen hatten“, erinnert sich der Student.
„Die Zeit in Kaiserslautern war in jeder Ausbildungsphase sehr schön und bereichernd“, resümiert Klein, „der Fachbereich Physik ist familiär und meiner Meinung nach unter den Top-Adressen für ein Physik-Studium in Deutschland. Die Kolleginnen und Kollegen hatten immer ein offenes Ohr für die Fachdidaktik und gaben Raum für Innovationen in traditionellen Lehrveranstaltungen. Die Mühe, die sich die Professorinnen und Professoren in der Lehre geben, ist deutlich zu spüren und prägte meine Auffassung guter Hochschullehre“

In Göttingen wird Klein seinen Arbeitsschwerpunkt in der empirischen Interventionsforschung in der Studieneingangsphase Physik beibehalten und ein Eye-Tracking-Labor für die physikdidaktische Forschung aufbauen. Das Eye-Tracking ermöglicht die Aufzeichnung und Analyse von Blickbewegungen. „Damit erhalten wir Einsicht in sonst verborgene kognitive Prozesse von Lernenden, zum Beispiel beim Lösen physikalischer Probleme“, erklärt er, „daraus können wir wiederum ableiten, wie Lernmaterial gestaltet werden muss“.  Außerdem sollen die Erkenntnisse später bei der Entwicklung von neuen Lernmethoden und -programmen helfen.
„Der Kontakt zur TUK wird aber auch in Zukunft bestehen bleiben, allein schon aufgrund der Forschungskooperationen mit der Arbeitsgruppe von Jochen Kuhn“, freut sich Klein.

Wir wünschen Juniorprofessor Dr. Pascal Klein alles Gute bei seinem Start an der Universität Göttingen!

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Erstellt
am 05.03.2020 von
TU Admin

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