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‚Creativity meets Science‘: Gegen die Angst vor der weißen Leinwand

Wissenschaft trifft auf Wirtschaft und Kunst: Studierende der TU Kaiserslautern erhalten exklusive Einblicke und kreative Impulse aus der Praxis zum Innovationsmanagement

Von Unispectrum live • Katrin Müller

Wie entsteht Innovation? Wie wird ein Unternehmen zu einem innovativen Player auf dem Markt? Wie gehen Künstler, die täglich Innovationen schaffen, mit der „weißen Leinwand“ um? Wie muss das perfekte Umfeld für Innovationsmanager aussehen und woher kommt eigentlich Inspiration?

Diese und weitere Fragen beschäftigten die Master-Studierenden in der Vorlesung „Innovation Management“ von Prof. Dr. Gordon Müller-Seitz, der sich für deren Beantwortung namhafte Unterstützung an die Seite holte. Zum einen Werner Weiss, den Geschäftsführer des IT-Innovationsunternehmens Insiders Technologies GmbH, welches auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist und zum anderen den Künstler Dietmar Brixy (https://brixy.de/), der in Mannheim beheimatet ist und dessen Kunstwerke weltweit ein hohes Ansehen genießen.   

„Vor allem wenn es um Innovationen und deren Management geht, muss man in der Lehre neue Wege beschreiten. Im Hörsaal sitzend lernt man nicht viel über kreative Herangehensweisen an einen intuitiven Innovationsprozess“, erklärt Prof. Dr. Müller-Seitz sein Konzept. „Gemeinsam mit Werner Weiss von Insiders Technologies haben wir uns überlegt, welche Impulse wir unseren Studierenden mit auf den Weg geben sollten, um sie auf ihre Aufgaben in der Digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft bestens vorzubereiten.“

Und so ging der erste Besuch der 35 Studierenden mit ihrem Dozenten am 22. Mai 2019 zu einem Workshop in die Geschäftsräume von Insiders Technologies in Kaiserslautern. Hier lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die modernen und zukunftsorientierten Arbeitsmethoden des Unternehmens kennen, wie das teambasierte Arbeiten und die damit verbundenen Vorgehensmodelle Scrum und Design Thinking. Die Referenten zeigten den Studierenden konkret, welche Voraussetzungen für die Entstehung von Innovationen im unternehmerischen Umfeld notwendig sind und wie dies bei Insiders Technologies umgesetzt wird.

Am nächsten Tag erwartete die Gruppe ein weiteres Highlight:  Sie besuchten das „Alte Pumpwerk“ in Mannheim, Heimat und Inspirationsquelle des Künstlers Dietmar Brixy, der sich dort ein eigenes kleines Paradies geschaffen hat. Der verwunschene Garten und die sakral anmutenden, lichtdurchfluteten Räumlichkeiten mit Industriecharakter begeisterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der ersten Sekunde an. Auch die herzliche Begrüßung und die offene Art von Dietmar Brixy und seinem Team kamen sehr gut bei den Studierenden an.

In entspannter Atmosphäre entführte der Künstler die jungen Besucher in sein Universum und gab ihnen exklusive Einblicke in seinen Schaffensprozess. So hob er hervor, dass der Prozess des Beobachtens der eigenen Umwelt immens wichtig sei und häufig als erstes im Innovationsmanagement, ob aus Zeit- oder Ressourcenmangel, verloren gehe. Er selbst nimmt seine Inspirationen häufig aus der Natur, seine Werke entwickeln sich dann intuitiv, ohne dass er selbst das Ergebnis kennt. Brixy beschreibt dies als sinnlichen Prozess, in dem Fehler erlaubt sind und auch der Zufall gerne einmal eine Rolle spielt. Wichtig seien Disziplin und Dynamik und das stetige Auseinandersetzen mit dem eigenen Werk. Dieses sei in seinen Augen erst fertig, wenn es geschlossen und stimmig wirkt, erst dann setze er seine Signatur darunter.  

Besonders interessierten sich die Studierenden für seine Inspirationsquellen und den konkreten Schaffensprozess, den er mit einem Augenzwinkern selbst als „System Chaos“ definierte. Nach dem Schwärzen der Leinwand folgt für ihn die Entscheidung für die dominierende Farbe. Im Dripping-Verfahren spritzt und tropft er die Farbe auf den Malgrund auf und haucht ihm erste Lebenszeichen ein. Alle weiteren Schritte entwickeln sich frei, durch seine nass-in-nass-Arbeit bleibt Brixy genügend Flexibilität um seinem kreativen Schaffen den nötigen Raum zu geben.

Ein ebenso wichtiger Punkt für die Studierenden war die Frage nach dem Scheitern und dem Umgang des Künstlers selbst damit. Dieser beschrieb Blockaden und Schaffenskrisen als völlig normal in einem kreativen Prozess und riet dazu, diese am besten mit Abstand zu betrachten. Wer bereit sei, sich stets weiterzuentwickeln, offen für neue Impulse zu sein und den Blick für das eigene Umfeld zu schärfen, der würde schnell wieder erfolgreich agieren können.

In der Wirtschaft könne man dies beispielsweise über einen intensiven Austausch mit den Kollegen oder agile Methoden, die viel Spielraum lassen, lösen. Für die Praxis gab Dietmar Brixy seinen Gästen mit auf den Weg, wissbegierig und offen für Inspirationen zu bleiben. Er plädierte dafür, sich nicht abschrecken zu lassen, einfach mal etwas zu wagen und sich beharrlich gegen Widerstände zu stellen. Die Energie, die bei diesen Reibungsprozessen entstünde, ließe sich wunderbar für den Schaffensprozess nutzen. „Wenn du etwas willst, dann mach es einfach“, gab er den Studierenden als Leitsatz mit.

Die Studierenden selbst zeigten sich begeistert von den neuen Eindrücken. Besonders die exklusive Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen eines namhaften Künstlers schauen zu dürfen, empfanden viele als Bereicherung. Eine wertvolle Erfahrung sei auch die Kombination aus kreativem künstlerischem Schaffen und der Adaption in der unternehmerischen Umgebung bei Insiders gewesen, wo auf einer anderen Ebene kreativ gearbeitet wird, um innovative IT-Produkte zu entwickeln.

Auch Werner Weis von Insiders Technologies freut sich über den Erfolg des neuen Kooperationsformats zwischen TU Kaiserslautern, Wirtschaft und Kunst: „Als innovationsorientiertes Unternehmen beschäftigen uns kreative Arbeitsweisen vom ersten Tag an. In der Gestaltung unserer Räumlichkeiten und Arbeitsprozesse ist uns sehr viel daran gelegen, die Kreativität unseres Teams zu fördern und so Raum und Motivation für neue Innovationen zu schaffen. Jetzt sind wir sehr gespannt, was die Studierenden im Rahmen ihrer Abschlusspräsentationen aus den gesammelten Eindrücken machen.“

Für Prof. Dr. Gordon Müller-Seitz, dessen Lehrstuhl darauf ausgerichtet ist, ein inspirierendes Arbeits- und Lernumfeld zu schaffen und Antworten auf die wichtigsten Fragen der Wirtschaftswissenschaften sowie deren Implikationen auf Wirtschaft und Gesellschaft zu finden, ist dieses Seminarmodell ein Modell für die Zukunft: „Theorie und Praxis gehören für mich ganz eng zusammen. Ohne Impulse von außen kann man das Gelernte nicht richtig einordnen. Mir ist es wichtig, dass die Studierenden früh verstehen, womit sie sich beschäftigen und welche Erfahrungen sie für später benötigen werden. Die digitale Transformation braucht genau solche Expertinnen und Experten in der Zukunft.“