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Philosophie im Film: Neue Filmreihe gestartet

Filme übermitteln Botschaften, enthalten Fragestellungen und Aussagen. Professorin Dr. Karen Joisten, Leiterin des Fachgebietes Philosophie an der TU Kaiserslautern, und ihr Team haben es nun in Kooperation mit „Union–Studio für Filmkunst“ in Angriff genommen, ethische Fragen ausgiebig zu diskutieren. Schülerpraktikantin Matilda Wehling war bei der Auftaktveranstaltung dabei und schildert ihre Eindrücke.

Von Unispectrum live • Matilda Wehling

Am Dienstag, den 5. November, startete die Filmreihe „Ethik und Film“ mit der von Regisseur Craig Gillespie gedrehten Tragikomödie „Lars und die Frauen“ aus dem Jahr 2007 und mit einer anschließenden Diskussion.

Zur Einführung begrüßte Professorin Joisten die Gäste. Der Film handelt von einem seelischen Heilungsprozess. Lars, der Protagonist, ist Einzelgänger. Er geht auf die Arbeit und in die Kirche. Er ignoriert Einladungen und blinzelt oft. Bis er eines Tages seinen Bruder Gus und dessen schwangere Frau, Karin, doch um einen Gefallen bittet: Obwohl seine neue Freundin, sie heißt Bianca und sitzt im Rollstuhl, für eine Zeit lang bei ihnen wohnen könnte? Bianca ist sehr religiös und darum wollen sie noch nicht zusammenleben. Gus und Karin freuen sich natürlich für den isolierten und einsamen Lars, bis sich herausstellt, dass Bianca eine lebensgroße Gummipuppe ist, die Lars im Internet bestellt hat. Die Ärztin des Dorfes und nebenberufliche Psychologin Dagmar diagnostiziert Bianca niedrigen Blutdruck und Lars eine Wahnvorstellung. Da Biancas Zustand kritisch ist, sollen sie bitte für eine gesonderte Behandlung wöchentlich wiederkommen. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf, infolge dessen das gesamte Dorf in die Fürsorge für Bianca eingebunden wird und sich in Akzeptanz übt.
Es geht in diesem Film nicht um die Liebesbeziehung zwischen einem Menschen und einer Puppe, nein, denn Lars erkennt ja nicht, dass es „nur“ eine Puppe ist, es geht um die Beziehung zwischen Lars und der realen Welt und ganz besonders zu seiner Arbeitskollegin Margo…

Ich will aber nicht allzu weit vorgreifen, möglicherweise ist ja nun die Neugier einiger auf den Film geweckt. Bei der folgenden öffentlichen Diskussion stellte sich heraus, dass jedem ein anderer Aspekt des Films aufgefallen war.
Nach und nach trauten sich auch immer mehr Teilnehmer ihre Eindrücke zu schildern. Professorin Joisten und ihre Mitarbeiterin Lisa Reithmann ermunterten alle sich zu äußern, und trugen auch selbst zur Diskussion bei. Meinungen und Interpretationen flogen hin und her, wurden bedacht und verworfen, kein Gedanke durfte nicht ausgesprochen werden und die Themen änderten sich im Minutentakt. Der stark psychologische Aspekt des Films zeigte sich auch regelmäßig, durch Überlegungen über die menschliche Psyche und ihre Beschaffenheit. Wir sprachen über Schein und Sein, die Menschenwürde, Individualität, das Erwachsenwerden des Menschen und vieles mehr.

Ich persönlich fand den Abend sehr inspirierend und gemütlich und werde sicherlich noch weitere Vorstellungen besuchen.

Fortsetzung folgt: Der nächste Film „Emmas Glück“ steht am ersten Dienstag, 18 Uhr, im Dezember auf dem Programm im „Union-Studio für Filmkunst“.