© Guido König
Gelebte Gemeinschaft – gelebte Vielfalt
1135 Views | 0 Notes
An der TUK ist Religion ein Teil der Diversität

Treffpunkt für Studierende, Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter will die Katholische Hochschulgemeinde an der Uni sein. Das Angebot ist ausgesprochen vielfältig: Es gibt Hochschulgottesdienste, gemeinsame Exkursionen, Vortragsreihen oder ein interreligiöses Friedensgebet.

Von Unispectrum live • Christine Pauli

Dr. Stefan Seckinger ist seit mehr als vier Jahren als Theologe an der Uni in Kaiserslautern tätig. Zuvor war er Religionslehrer und Schulseelsorger: „Lustigerweise treffe ich an der TUK immer mal wieder auf ehemalige Schülerinnen und Schüler von mir, die jetzt hier studieren.“ Stefan Seckinger betreut die Katholischen Hochschulgemeinden im Bistum Speyer: „Kaiserslautern ist der Hauptsitz. Zuständig sind wir aber auch für die Hochschulstandorte Homburg, Pirmasens und Zweibrücken.“ 

Treffpunkt für Studierende, Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen die Katholischen Hochschulgemeinden sein. Das Angebot ist ausgesprochen vielfältig: Es gibt Hochschulgottesdienste, gemeinsame Exkursionen, Vortragsreihen oder ein interreligiöses Friedensgebet. Aktuell sei das Semester-Thema „Die Gedanken sind frei“, berichtet Stefan Seckinger. „Wir veranstalten zu diesem Thema unter anderem Gottesdienste. Auch einen Termin mit den Jungen Liberalen gab es bereits.“ Gemeinsam habe man sich über das Thema Freiheit ausgetauscht, und dabei unter anderem über eine mögliche Impfpflicht gesprochen. „Soll es sie geben oder nicht.“ Ein ehemaliger Strafgefangener sei im Rahmen einer Gesprächsrunde schon zu Gast gewesen – und schilderte seine Sicht auf das Thema Freiheit. Und es werde eine Exkursion nach Paris geben. „Die Stadt der Freiheit - la Liberté.“ Mit 15 Personen wollen sie Anfang April in die französische Hauptstadt reisen. Gemeinsam mit der Evangelischen Hochschulgemeinde. Überhaupt seien die allermeisten Angebote ökumenisch ausgerichtet: „Da geht vieles Hand in Hand“, erklärt Stefan Seckinger. Und betont dabei die gute Zusammenarbeit mit Pfarrerin Britta Geburek Haag von der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) und Guido König, seinem Kollegen in der KHG. So wollen die Katholische und die Evangelische Hochschulgemeinde bald zu einem ökumenischen Zentrum zusammenziehen. Zu anderen religiösen Hochschulgruppen habe man ebenfalls Kontakt, wie Theologe Seckinger berichtet: „So hatten wir beispielsweise schon einen Austausch mit einer muslimischen Gruppe.“

„Jeder ist eingeladen“

Jeder sei zu den Veranstaltungen der Hochschulgemeinde herzlich eingeladen, sagt Stefan Seckinger. „Wir machen zum einen typisch religiöse Sachen. Zum anderen aber viele Dinge, die jeden ansprechen.“ So gebe es beispielsweise einen akademischen Gesprächsabend, bei dem sich Professorinnen und Professoren austauschen können. 

Die Corona-Zeit ist für Studierende eine starke Belastung

Aber auch die Seelsorge ist Stefan Seckinger ein wichtiges Anliegen. Er möchte Ansprechpartner in Notlagen und persönlichen Lebenskrisen sein, „so führe ich Gespräche mit Menschen, die beispielsweise unter Stress im Studium leiden.“ Vor allem in der Corona-Zeit seien die Probleme von Studierenden nicht weniger geworden, weiß der Hochschulpfarrer und Psychologe zu berichten: „Studenten-Jobs sind weggebrochen. Das hat den einen oder anderen in eine finanzielle Schieflage gebracht. Hier konnten wir zum Teil mit Überbrückungsgeldern helfen.“ Das habe natürlich alles seine Grenzen. „Doch in einem gewissen Rahmen konnten wir Leuten unter die Arme greifen.“ Und auch die Einsamkeit während der Corona-Zeit, vor allem im Lockdown, habe viele belastet. Derzeit sei glücklicherweise wieder mehr möglich, „und das nehmen die Menschen dankbar an", berichtet Seckinger. „Eine von uns angebotene Kanu-Fahrt stieß beispielsweise auf sehr großes Interesse.“ Ein Winterwochenende findet ebenfalls regen Anklang. „Man merkt einfach, dass die Leute wieder rauswollen. Sie wollen etwas unternehmen.“ Alles liefe selbstverständlich coronakonform ab, betont Stefan Seckinger. „Gottesdienste können so derzeit wieder in Präsenz stattfinden.“

Gelebte Gemeinschaft scheint vielen Menschen an der Uni also wichtig zu sein. „Eine Bereicherung ist zudem, dass wir international und interkulturell aufgestellt sind“, ergänzt Stefan Seckinger. „Bei unseren Veranstaltungen finden Sie Franzosen, Amerikanerinnen, Libanesen, Palästinenser und viele mehr. Religion verbindet über die Nationalität hinweg.“ Der erste Anknüpfungspunkt sei immer: „Wir sind Christinnen und Christen. Wir haben ein gemeinsames Weltbild. Und ein gemeinsames Wertebild. Und daraus formt sich eine Gemeinschaft.“ Teilnehmende der vielfältigen Veranstaltungen schätzen die familiäre Atmosphäre, wie Stefan Seckinger berichtet. Mit seiner Arbeit möchte er ganz einfach erreichen, „dass es den Studierenden und den Beschäftigten an der Uni in Kaiserslautern gut geht.“

Religion ist Teil der Diversität an der Uni Kaiserslautern

„Genau das möchte ich mit meiner Arbeit ebenfalls erreichen“, sagt Dr. Cornelia Rövekamp, Leiterin der Stabsstelle Gleichstellung, Vielfalt und Familie an der TUK, die sich mit Seckinger regelmäßig austauscht. Seckinger und Rövekamp sind Mitglieder des Arbeitskreises Diversity an der Uni. Beim Thema Diversität geht es um Vielfalt und die Anerkennung von unterschiedlichsten Gruppen. „Religion ist ein Teil davon“, erklärt Cornelia Rövekamp. Und Seckinger berichtet rund um das Thema Diversität von seinen positiven Erfahrungen: „Uns wird das Gefühl gegeben, dass wir einfach wir sein dürfen. Als Hochschulgemeinde sind wir willkommen. Wir sind Teil der Technischen Universität. Das ist großartig.“ Cornelia Rövekamp stimmt zu. Und betont zugleich, dass Religion nur eine Facette der Diversität an der Uni sei. Im Rahmen ihrer Arbeit setzt sie sich für gleich mehrere Gruppen ein: „Das sind beispielsweise Personen verschiedenen Geschlechts oder Personen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen.“ Ähnlich wie bei Stefan Seckinger ist das Aufgabengebiet von Cornelia Rövekamp breit gefächert: Beide haben mit unterschiedlichsten Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen – und den damit einhergehenden Anliegen und Problemen zu tun. Genau wie Seckinger führt sie das eine oder andere Gespräch, wenn etwas in Schieflage gerät: „Ich spreche beispielsweise mit Personen, die sich diskriminiert fühlen.“ Treten Missstände auf, so sei es laut Rövekamp immer wichtig, dass Dinge geäußert werden, offen angesprochen werden. „Man muss dann auch mal für andere eintreten.“ Zivilcourage sei eben auch an einer Uni wichtig. Und ähnlich wie Seckinger bietet Cornelia Rövekamp mit ihrem Team Veranstaltungen an, die zum Mitdenken anregen sollen – im Rahmen von Impulsvorträgen etwa: „So hatten wir eine Impulsvortragsreihe mit anschließender Diskussion, bei dem es um sexualisierte Gewalt gegen Frauen ging.“ Cornelia Rövekamp ergänzt, dass Interessierte die Vorträge besuchen, weil sie sich Input von einem Redner oder einer Rednerin erwarten.

„Unsere Gesprächsrunden sind etwas anders aufgebaut“, ergänzt Stefan Seckinger. „Hier steht nicht unbedingt ein Experte oder eine Expertin im Vordergrund.“ Vielmehr könne man sich in vertrauensvoller Atmosphäre miteinander austauschen: „Bei uns werden Dinge dann vielleicht schon mal in einer Art und Weise besprochen, wie sie an der Uni nicht unbedingt besprochen werden würden.“ Der Modus sei ein anderer, eher sensibler, eher intimer. „In Gesprächen brechen Dinge dann schon mal auf.“ Studierende und Mitarbeitende könnten sicherlich von beiden Herangehensweisen profitieren, darin sind sich Seckinger und Rövekamp einig.  

„Es ist großartig, dass wir hier an der TUK so ein gutes Standing haben.“

Stefan Seckinger ist mit den Arbeitsbedingungen an der Uni Kaiserslautern sehr zufrieden: „Es ist großartig, dass wir hier an der TUK ein so gutes Standing haben.“ Auch von der Uni-Leitung komme die Rückmeldung, dass die Hochschulgruppe gute Arbeit leiste. „Vertreter der Hochschulleitung haben bei uns sogar schon gepredigt.“ Gelebte Gemeinschaft eben. Gelebte Vielfalt.

Weitere Informationen zu Terminen und Angeboten der Katholischen Hochschulgemeinde unter https://www.khg-kl.de/
Weitere Informationen über die Arbeit der Stabsstelle Gleichstellung, Vielfalt und Familie unter https://www.uni-kl.de/gleichstellung-vielfalt-familie