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Zwischen Tafel, Computer und Labor: die Rolle von Geschlecht in einer Wissenschaftskultur

In diesem Sommersemester hat die Physikerin und Soziologin Dr. Martina Erlemann die „Klara Marie Faßbinder-Gastprofessur“ inne. Sie wird Seminare und Workshops im Fachbereich Physik und darüber hinaus geben sowie Vorträge an anderen rheinlandpfälzischen Universitäten halten. Erlemann lehrt am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin und forscht am Fachbereich Physik der FU Berlin über die Rolle von Geschlecht in den Fachkulturen der Natur- und Technikwissenschaften. Die Gastprofessur wird am 7. Juli mit einer Antrittsvorlesung feierlich eröffnet.

Von Unispectrum live

Welche Rolle spielt das Geschlecht in natur- und technikwissenschaftlichen Forschungs- und Bildungseinrichtungen? Mit Fragen wie dieser befasst sich Martina Erlemann. In diesem Sommersemester wird sie in Vorträgen, Seminaren und Workshops Einblicke in ihre Forschung geben. „Der Ansatz der Fachkultur liefert der Geschlechterforschung wertvolle Erkenntnisse über die Rolle von Geschlecht in Forschungs- und Bildungseinrichtungen und eröffnet, in der Lehre angewandt, Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit, über die eigene Wissenschaftskultur zu reflektieren“, so Erlemann. Die Forscherin wird darüber hinaus in laufenden Lehrveranstaltungen unterrichten. Zudem ist im September mit den Führungskräften der Physik ein Workshop geplant, in dem die Berliner Wissenschaftlerin unter anderem zu Themen wie Teamführung und Gendersensibilität referieren wird.

Erlemann forscht am Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin und in der Arbeitsgruppe Wissenschaftsforschung am Fachbereich Physik der FU Berlin. Sie hat in ihrer Doktorarbeit unter anderem untersucht, welche Rolle Geschlecht in der Wissenschaftsberichterstattung der Physik spielt. „Tendenziell neigen Medien dazu, Forschungsergebnisse aus dem Kontext der praktischen Forschungsarbeit herauszureißen und als nackte Tatsachen darzustellen.“, erläutert Erlemann. „Inwiefern wissenschaftliche Erkenntnisproduktion ein sozialer Prozess ist, in dem auch Geschlecht eine Rolle spielt, wird zumeist gänzlich ausgeblendet.“

Die diplomierte Physikerin hat an der Universität Wien in Soziologie, Schwerpunkte Wissenschafts- und Geschlechtersoziologie, promoviert. Gelehrt und geforscht hat sie unter anderem an den Universitäten Klagenfurt, Wien und Augsburg. Ein internationaler Forschungsaufenthalt führte sie 2011 an das Center for Gender Research der Universität Uppsala, Schweden. Im Projekt „genderDynamiken – Fallstudien zur Verschränkung von Fachkulturen und Forschungsorganisationen am Beispiel der Physik“ hat sie zudem untersucht, welche Rolle das Geschlecht in Hochschulen und Forschungseinrichtungen der physikalischen Forschung spielt. Erlemann hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen verfasst, darunter die Monographien „Menschenscheue Genies und suspekte Exotinnen – Die Ko-Konstruktion von Physik und Geschlecht in öffentlichen Diskursen“ und „Öffentliches Wissen: Nachhaltigkeit in den Medien“, gemeinsam mit Markus Arnold. Zu ihren wichtigsten Herausgeberschaften zählt  der Sammelband „Technologisierung gesellschaftlicher Zukünfte: Nanotechnologien in wissenschaftlicher, politischer und öffentlicher Praxis“, den sie gemeinsam mit Petra Lucht und Esther Ruiz Ben herausgegeben hat.

Die Internationale und interdisziplinäre Klara Marie Faßbinder-Gastprofessur für Frauen- und Geschlechterforschung wurde 2001 vom rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium ins Leben gerufen. Semesterweise folgt eine international renommierte Wissenschaftlerin dem Ruf an die jeweils ausrichtende Hochschule.

Die Professur zielt darauf ab, Impulse für die Frauen- und Geschlechterforschung zu geben, sie in Rheinland-Pfalz zu stärken, entsprechende Lehrangebote zu erweitern und Netzwerke zu ermöglichen. Die Namensgeberin des Programms, Klara Marie Faßbinder, wurde 1890 in Trier geboren und war eine der bedeutendsten Aktivistinnen in der deutschen Friedens- und Frauenbewegung.

In diesem Sommersemester ist der Fachbereich Physik der TU Kaiserslautern, zusammen mit dem Landesforschungszentrum OPTIMAS und seinen Sonderforschungsbereichen Gastgeber dieser besonderen Professur. Am 7. Juli wird die Gastprofessur um 15 Uhr in der Rotunde auf dem Campus der TU mit einem Vortrag von Martina Erlemann feierlich eröffnet. Erlemann wird hierbei über „Fachkulturen und Geschlecht in den Natur- und Technikwissenschaften“ sprechen.

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 05.07.2016 von
Melanie Löw

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