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Wissenschaftskommunikation „kurz und knackig“
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Young Researchers Symposium bringt Talente ans Licht

Forschungsarbeiten allgemeinverständlich, spannend und unterhaltsam vor fachfremdem Publikum auf den Punkt bringen: Diese Chance erhalten Nachwuchswissenschaftler:innen alle zwei Jahre beim Young Researchers Symposium. Gestartet als interdisziplinärer Wettbewerb in Kaiserslautern, beteiligten sich dieses Jahr erstmals auch Nachwuchsforschende von der Universität in Landau. Die neue Vielfalt repräsentierten auch die sechs Gewinner:innen, die sich Ende Juli beim YRS 2022 über Preise im Gesamtwert von 6.000 Euro für ihre Vorträge und Poster freuen durften.

Von Unispectrum live • Julia Reichelt

Die Teilnahme beim Young Researchers Symposium ist eine Investition in die Zukunft. Denn die Kompetenz, Forschungsansätze allgemeinverständlich erklären zu können, ist im Verlauf einer wissenschaftlichen Karriere immer wieder gefragt. Etwa, wenn es um das Beantragen von Fördermitteln geht.

Ende Juli stellten sich über 40 Doktorand:innen am Fraunhofer-Zentrum in Kaiserslautern der kommunikativen Herausforderung. Unter dem Motto „kurz und knackig, statt langweilig und trocken“ nahmen sie beim YRS 2022 das Publikum in ihre Forschungsarbeiten mit. Die Themenvielfalt reichte von intelligenten Verbundwerkstoffen über autonomes Fahren bis hin zu chemischen Katalysatoren, die von der Natur inspiriert sind.

Besonders erfreulich für die Veranstaltenden – dies sind der TU-Nachwuchsring der TU Kaiserslautern (TUK) und das Leistungszentrum Simulations- und Software-basierte Innovation: Das Auditorium war durchgehend gut gefüllt. „Insgesamt waren über 100 Gäste, darunter viele Masterstudierende, zum Zuhören und Zuschauen gekommen – eine Rekordbeteiligung“, freut sich Dr. Inga Nissen, die das YRS von Seiten des TU-Nachwuchsrings organisiert.

In wenigen Minuten ein komplexes Thema vermitteln

Beim Wettbewerb gibt es zwei Kategorien, Talks und Posterpräsentation, für die sich Doktorand:innen anmelden können. Voraussetzung ist, dass Interessierte einen Abstract zu ihrer Arbeit einreichen, der von einer Fachjury begutachtet wird. Am Wettbewerbstag haben die Talk-Teilnehmer:innen dann knappe 12 Minuten Redezeit, um ihr Thema zu vermitteln. Die Posterpräsentationen teilen sich auf in einen 3-minütigen Posterpitch und eine anschließende Postersession. In die Gesamtbewertung fließen die Qualität des Abstracts sowie das Gutachten der Fachjury zum Vortrag bzw. zur Posterpräsentation ein. Zusätzliches Entscheidungskriterium ist das Publikumsvoting. Sprich, die Gewinner:innen müssen dreifach überzeugen, was auch die Chancengleichheit befördert.

Eine Besonderheit beim Nachwuchswettbewerb ist, dass die Teilnehmenden auch Kommunikationsmittel nutzen können, die bei klassischen wissenschaftlichen Vorträgen und Präsentationen eher unüblich sind. So kamen 2022 unter anderem Geruchsproben, Laserexperimente und Maskottchen zum Einsatz, um komplexe Sachverhalte anschaulich zu vermitteln.

Was hat Netflix mit Stoffeigenschaften zu tun?

Alle drei Hürden besonders gut gemeistert haben Nicolas Hayer (1. Platz Vortrag) und Sara Kolbenschlag (1. Platz Posterpräsentation). Hayer kombiniert in seiner Forschungsarbeit Thermodynamik und Künstliche Intelligenz. Der Doktorand am Lehrstuhl für Thermodynamik der TUK beschäftigt sich mit der Vorhersage von Stoffeigenschaften in Mischungen mittels maschinellem Lernen. Bei der Vorbereitung haben ihm Probevorträge und das daraus resultierende Feedback geholfen. Denn nur 12 Minuten Redezeit stellten für ihn eingangs eine Herausforderung dar: „Ich konnte auf viele Erklärungen nicht verzichten“, so der Ingenieur. Mit Humor, Animationen und Analogien, wie etwa dem Vergleich mit dem Filmempfehlungssystem von Netflix, sei es ihm letztlich gelungen, das Publikum in sein Thema mitzunehmen. Zurückblickend sagt er: „Ich kann die Teilnahme am YRS auf jeden Fall empfehlen. Man kann freier und kreativer als bei vielen anderen Konferenzen arbeiten. Gleichzeitig bietet sich die einmalige Gelegenheit, Einblicke in viele andere interessante Forschungsthemen fernab des eigenen Universitätsalltags zu erhalten.“

In der Umwelt hängt alles miteinander zusammen

Kolbenschlag, Doktorandin am Institut für Umweltwissenschaften an der Universität Landau, beschäftigt sich mit ökologischen Zusammenhängen. Was passiert beispielsweise, wenn Menschen in Süßwasser-Ökosysteme ein Stechmückenbekämpfungsmittel ausbringen? In der Rheinebene ist das ein probates Mittel, um Mückenplagen entgegenzuwirken. „Wir konnten beobachten, dass sich dadurch vor allem der Zeitpunkt des Schlüpfens anderer Insekten, sogenannter Nicht-Zielorganismen, verändert“, so die Nachwuchsforscherin. „Das wiederum hat Folgen für die Jäger an Land wie Vögel, Spinnen und Fledermäuse, die sich zeitweise hauptsächlich von diesen Insekten ernähren.“ Und eben diesen Zusammenhang darzustellen – darauf hat sie sich bei ihrer Posterpräsentation konzentriert. Die Resonanz war groß: „In den Pausen kamen immer wieder Interessierte auf mich zu“, so Kolbenschlag. „Dadurch haben sich viele Gespräche ergeben.“ Alles in allem stellte das YRS für die Doktorandin eine gute Möglichkeit dar, das Präsentieren vor anderen jungen Wissenschaftler:innen zu üben.

Natur als Vorbild für die grüne Chemie nutzen

Dieses Jahr gab es beim YRS auch erstmals einen Doppelerfolg für eine Forschungsgruppe: Gleich zwei Doktorandinnen aus dem Arbeitskreis von Juniorprofessorin Sabine Becker in der Anorganischen Chemie an der TUK sicherten sich jeweils den zweiten Platz bei den Talks und den Posterpräsentationen. Chemikerin Meike Landsiedel, die seit 2020 dort promoviert, berichtet: „Ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass Chemiethemen abschreckend wirken. Nicht zuletzt deswegen hat es mich gereizt, meine Forschungsarbeit zu mehrkernigen Kupferkomplexen als Katalysatoren beim Wettbewerb zu präsentieren. Bei meiner Posterpräsentation habe ich mich auf das Wesentliche konzentriert: den Mehrwert, den ich mit meiner Arbeit schaffe. Ich baue Katalysatoren bzw. Enzyme nach, die in der Natur bestimmte chemische Reaktion in Gang setzen. Indem ich diese an industriell relevante Einsatzwecke anpasse, könnte es künftig beispielsweise möglich sein, klimaschädliche Reaktionsschritte in der chemischen Industrie abzulösen.“ Mit einer kreativen Idee hat sie beim Poster-Pitch zusätzlich gepunktet: Sie brachte eine Stoffkatze mit namens „Mr. CATalyst“, um dem Thema Katalyse ein Gesicht zu geben.

Den Ursachen von Alzheimer auf der Spur

Ihre Kollegin Annika Maria Pick, Zweitplatzierte bei den Talks, bringt ihre YRS-Erfahrung wie folgt auf den Punkt: „Beim Young Researcher Symposium hatten wir die Gelegenheit, das Präsentieren unserer Forschungsthemen in einem vergleichsweise lockeren Rahmen zu üben.“ Die Nachwuchsforscherin entwickelt mit Licht aktivierbare Zinkfluoreszenzsensoren, um Zink in lebenden Zellen, insbesondere im zentralen Nervensystem (ZNS), sichtbar zu machen und zu untersuchen, welche Wirkung es dort entfaltet. Im ZNS ist Zink an grundlegenden Prozessen der Signalweiterleitung beteiligt. Zum einen wird ihm eine Rolle in der Gedächtnisbildung zugeschrieben. Zum anderen steht es in Zusammenhang mit der Entwicklung und Pathogenese neurodegenerativer Erkrankungen. „Ich finde es toll, dass ich mit meiner Forschung letztlich einen Beitrag dazu leisten kann, dass wir Krankheiten wie Alzheimer besser verstehen können.“ Und das hat die Doktorandin beim YRS so mitreißend vermittelt, dass sie mit ihrem Vortrag aufs Siegertreppchen kam.

Weitere Informationen zum Wettbewerb

Das YRS fand seit 2022 zum fünften Mal statt. Traditionell zählen zu den Mitwirkenden neben dem Organisationsteam der TUK und Leistungszentrums auch eine Gruppe Wissenschaftler:innen, die die eingereichten Abstracts reviewen sowie eine wissenschaftliche Fachjury, die Vorträge und Posterpräsentionen bewertet. Beide Komitees setzen sich aus Angehörigen verschiedenster Fachdisziplinen, überwiegend Doktorand:innen und Juniorprofessor:innen, der beteiligten Hochschulen bzw. Forschungsinstitute zusammen.

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Auf dem Bild oben sind die Kaiserslauterer zu sehen:
(v.l.n.r.) Prof. Dr. Werner R. Thiel, TUK-Vizepräsident für Forschung und Technologie, Simon André Scherr vom Fraunhofer IESE (3. Platz "Best Talk") die drei TUK-Nachwuchsforscher:innen Meike Landsiedel (2. PLatz "Best Poster"), Nicolas Hayer (1. Platz "Best Talk") und Annika Maria Pick (2. Platz "Best Talk") sowie Dr. Konrad Steiner, Leiter des Leistungszentrum Simulations- und Software-basierte Innovation.

 

© Foto: Anja Knäbel

Die Gewinnerinnen aus Landau, beide in der Kategorie "Best Poster": Sara Kolbenschlag (rechts) belegte den ersten Platz. Nina Röder sicherte sich Platz drei.

Bild des Benutzers Julia Reichelt
Erstellt
am 28.09.2022 von
Julia Reichelt