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Den Kraftwerken der Zelle auf der Spur
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Vom Pfälzer Wald an die Eliteuni Harvard

Für Katja Hansen ist ein Traum wahr geworden: Nach der Promotion im Ausland zu forschen. Das wird sie nun tun – und nicht an irgendeinem Ort, sondern an der amerikanischen Eliteuni Harvard in Boston.

Von Unispectrum live

Eigentlich fühlt sich Katja Hansen wohl in Kaiserslautern. „Mein Mann und ich haben hier einen großen Freundeskreis und auch meine Familie lebt in der Nähe“, sagt die junge Frau, die demnächst ihre Promotion abschließen wird. Für ihr Biologie-Studium ist sie vor ein paar Jahren aus Esch bei Trier nach Kaiserslautern gezogen. „Das Studium war klasse“, erinnert sie sich rückblickend.

Vor allem ihre Arbeitsgruppe und ihren Chef Professor Johannes Herrmann hat sie zu schätzen gelernt. „Sie sind meine Laborfamilie“, sagt sie mit einem Lächeln. Daher falle ihr der Abschied auch nicht leicht. Aber die Vorfreude ist schon da. Vor ein paar Wochen hat sie die Zusage erhalten: Ab April wird sie in einer Arbeitsgruppe an der Eliteuniversität Harvard forschen.
Dort wird sie weiterhin Mitochondrien unter die Lupe nehmen. Mit diesen Zellorganellen, auch als Kraftwerke der Zellen bekannt, hat sie sich bereits die vergangenen Jahre in ihrer Promotion beschäftigt. In der Arbeitsgruppe, die von Professor Herrmann geleitet wird, steht die Zellbiologie im Vordergrund. Das Team erforscht zelluläre Prozesse, die sich rund um den Transport von Proteinen in die Mitochondrien und die Prozesse in ihnen drehen.

„Die Zellbiologie hat mich schon früh im Studium begeistert“, sagt sie. In einem Praktikum, das ihre jetzige Arbeitsgruppe angeboten hatte, hat die damalige Studentin schnell gemerkt, dass sie gut ins Team passen würde. So entschied sie sich auch dazu, dort ihre Abschlussarbeit zu machen. Zunächst sah ihr Plan noch vor, nach dem Bachelorstudium die Uni zu wechseln. „Ich habe mich hier aber so wohl gefühlt, dass ich geblieben bin.“

Ein Abstecher an eine andere Uni war aber dennoch drin: Im Masterstudium ging es für sie für drei Monate nach Frankreich. In Gif-sur-Yvette bei Paris hat sie an einem Biologie-Institut zu Hefegenetik geforscht. „Den Kontakt hatte mir Professor Herrmann vermittelt“, erzählt sie. „Ihm liegt viel daran, dass wir Kontakte knüpfen und netzwerken.“ Herrmann unterstütze das ganze Team dabei, ins Ausland zu gehen oder an Konferenzen teilzunehmen. Während ihrer Promotion hat sie außerdem einen Monat in Israel am renommierten Weizmann Institut verbracht.

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Ich habe mich hier aber so wohl gefühlt, dass ich geblieben bin.

Katja Hansen

Letztendlich ist sie so an ihre neue Stelle in Boston gekommen. „Von einer Konferenz kannte ich bereits einen Forscher der Arbeitsgruppe“, fährt sie fort. Mit ihm habe sie über die Arbeit und das Team dort gesprochen und festgestellt, dass ihr alles zusage. Daher hat sie sich beworben.

In den USA wird sie sich mit menschlichen Mitochondrien befassen und untersuchen, wie diese Organellen die Produktion von Proteinen steuern und regulieren. In Kaiserslautern hat sie sich mit den Mitochondrien bei Hefen befasst und hat den Proteintransport in die Mitochondrien untersucht. „Viele mitochondriale Proteine müssen erst in das Zellorganell gebracht werden“, erklärt sie. „Was mit ihnen zuvor im Zytosol, der Zellflüssigkeit, passiert, war lange Zeit unklar.“

Ein Teil dieses Rätsels hat die Kaiserslauterer Forscherin gelöst. Mit ihrem Team hat sie einen neuen Transportweg gefunden. Die Proteine wandern nicht direkt in die Mitochondrien, sondern erst zum Endoplasmatischen Retikulum, einem weiteren Zellbestandteil. Sie haben diesen Mechanismus genau analysiert und ihn „ER-Surf“ getauft, „weil die Proteine hierbei über die ER-Oberfläche, auf Englisch surface, surfen“, erläutert Hansen.

Ihre Arbeit ist sogar in Science, einer der renommiertesten Fachzeitschriften, veröffentlicht worden. „Das war klasse, damit rechnet man nicht“, sagt sie. Die Studie ist in enger Zusammenarbeit mit der renommierten Genetikern Maya Schuldinder vom Weizmann Institut entstanden. Eine der israelischen Forscherkollegen arbeitet derzeit in New York. „Wir sind seither befreundet und stehen immer noch in Kontakt“, so Hansen. „Sie kann mir sicherlich Tipps geben, wenn ich nach Boston ziehe.“

Bis dahin sind es noch ein paar Monate, in denen einiges an Arbeit ansteht, wie etwa das Verteidigen ihrer Doktorarbeit, das Kofferpacken – und der Abschied von ihrer Alma Mater, ihrer Laborfamilie und ihrer Familie.

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 05.12.2018 von
Melanie Löw

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