© Koziel/TUK
Kooperation mit der Northeastern University in Boston
468 Views | 0 Notes
US-Gaststudentin forschte zur Sprachentwicklung

Die US-amerikanische Studentin Anja Castro-Diephouse absolvierte ein sechsmonatiges Praktikum in der Forschungsgruppe von Professorin Dr. Shanley Allen an der TU in Kaiserslautern. Im Rahmen ihres Aufenthaltes entwickelte sie ein Computer-Programm, das zum besseren Verständnis von Sprachentwicklung beitragen soll.

Von Unispectrum live • Christine Pauli

„John gave the girl a flower“ oder „John gave a flower to the girl“ – im Englischen sind beide Sätze möglich. Im Deutschen ist die entsprechend Aussage „John gab dem Mädchen eine Blume“ gebräuchlich – und nicht „John gab eine Blume an das Mädchen“. Eine Selbstverständlichkeit für jeden, der mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen ist. Aber was ist mit Kindern, die bilingual groß werden – mit deutsch und englisch etwa? Wie interagieren und beeinflussen sich beide Sprachen gegenseitig? Wie wirken sich sprachübergreifende Unterschiede auf die Entwicklung der Erstsprache aus? Welche Aspekte des Sprachenlernens sind universell und welche sprachspezifisch? Genau mit solchen Fragen hat sich Anja Castro-Diephouse bis Dezember 2022 beschäftigt: Für sechs Monate absolvierte die US-amerikanische Studentin ein Praktikum in der Arbeitsgruppe von Professorin Dr. Shanley Allen, die im Bereich Psycholinguistik und Sprachentwicklung am Fachbereich Sozialwissenschaften der TU in Kaiserslautern forscht.

Forschung im Bereich der Sprachentwicklung
„Jedes Semester nimmt meine Arbeitsgruppe einen Forschungspraktikanten aus dem Bachelor-Studiengang Linguistik der Northeastern University in Boston auf“, erklärt Shanley Allen den genauen Hintergrund. Der Praktikant oder die Praktikantin arbeite Vollzeit an laufenden Projekten mit – nehme an Laborbesprechungen, Kolloquiumsgesprächen, Seminaren teil. Und, so ergänzt es Shanley Allen: „Mehrere Praktikanten konnten ihre Arbeit auch auf einer akademischen Konferenz vorstellen oder als Mitautoren an einem Zeitschriftenartikel über ihre Arbeit mitwirken.“

Neben Linguistik studiert Anja Castro-Diephouse an der Northeastern University auch Computer Science: „Beides konnte ich während des Praktikums einbringen. Diese Überlappung war großartig“, resümiert sie. „Ich habe ein Computer-Programm entwickelt, das bei drei- bis achtjährigen Kindern spielerisch den Einfluss einer Sprache auf eine andere abfragt.“ Das Programm soll nun für anstehende Experimente genutzt werden.

Partnerschaft mit der Northeastern University besteht seit 2011
Anja Castro-Diephouse ist bereits die 20. Praktikantin, die es von Boston nach Kaiserslautern verschlagen hat. Die US-amerikanische Linguistik-Professorin Dr. Heather Littlefield, die den Aufenthalt von Seiten der Northeastern University betreut, zeigt sich sehr zufrieden mit der Kooperation: „Das ist eine großartige Erfahrung für unsere Studierenden. Sie sind an echter Forschung im Bereich der Linguistik beteiligt. Sie arbeiten im akademischen Umfeld. Und sie erfahren, wie es ist, in einem anderen Land zu leben.“

Die Professorinnen Allen und Littlefield kennen sich schon lange: Sie waren einst Kolleginnen an der Boston University. Heather Littlefield: „Ich habe Shanley Allen vor über zehn Jahren erzählt, dass ich eine tolle Studentin habe und gefragt, ob sie nicht mal für ein Praktikum zu ihr nach Deutschland kommen darf.“ Der Aufenthalt sei für beide Seiten sehr erfolgreich verlaufen. Heather Littlefield: „Shanley Allen hat mich anschließend gefragt, ob sie weitere Praktikanten bekommen kann.“ Der Beginn einer mittlerweile seit 2011 bestehenden Partnerschaft. „Einige der ehemaligen Praktikanten sind später zum Arbeiten oder auch für ein weiterführendes Studium erneut nach Deutschland oder ein anderes europäisches Land gekommen“, erinnert sich Shanley Allen. 

„Es ist für die Studierenden ja auch eine tolle Möglichkeit herauszufinden, in welche Richtung sie sich beruflich entwickeln wollen“ 
Das Praktikum ist als Teil des „International Cooperative Education Program“ der Northeastern University anerkannt – soll heißen: „Bis zu drei Semester können unsere Bachelor-Studierenden Erfahrungen außerhalb unserer Universität sammeln“, erklärt Heather Littlefield: „Das können beispielsweise Praktika in einem Unternehmen sein oder eben auch ein Auslandsaufenthalt.“ Und Shanley Allen fügt an: „Es ist für die Studierenden ja auch eine tolle Möglichkeit herauszufinden, in welche Richtung sie sich beruflich entwickeln wollen. Nicht jeder, der Linguistik studiert, will später in die Forschung.“ Man könne beispielsweise Lehrer oder Redakteur werden. Genauso aber auch an der Spracherkennung für virtuelle Assistenten wie Alexa arbeiten, Suchmaschinenoptimierung betreiben oder Algorithmen für Google Translate verbessern. „Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten. Das Praktikum hilft sich zu orientieren.“

Und was möchte Anja Castro-Diephouse einmal machen? „Genau weiß ich es noch nicht. Vielleicht etwas in einem Software Unternehmen.“ Ihre Zeit an der TU habe sie in jedem Fall sehr genossen: „Ich habe bisher nur in größeren Städten gelebt. Hier geht es ruhiger zu. Einen Wald direkt vor der Tür zu haben ist toll.“ Mit Menschen verschiedener Nationalitäten und aus verschiedenen Altersgruppen habe sie an der Uni in Kaiserslautern zusammen arbeiten können, erzählt die US-Amerikanerin. Dabei sei es für sie immer auch sehr interessant gewesen, mit den Leuten über ihren jeweiligen Werdegang zu sprechen: „Warum sie das machen, was sie heute machen. Und warum sie sich beispielsweise für eine Laufbahn in der Forschung entschieden haben.“

„Der Aufenthalt der Praktikanten ist eine Bereicherung für meine Arbeitsgruppe“
Shanley Allen ergänzt: „Der Aufenthalt der Praktikanten ist insgesamt auch eine große Bereicherung für meine Arbeitsgruppe. Jeder bringt seine besonderen Kenntnisse und Erfahrungen mit. Und er oder sie unterstützt Projekte, die ohne diese Skills nicht möglich wären.“ Die Studierenden der Northeastern University seien in ihrer Gruppe sehr gerne gesehen Gäste: „Sie sind gut vorbereitet, gehen ihrer Arbeit gewissenhaft und professionell nach.“ 

Mal von dem Praktikum abgesehen, kann sich Heather Littlefield weitere Kooperationen mit der TU vorstellen? „Ja sehr gerne. Wir sind eine große Universität und haben viele Möglichkeiten.“ Der 21. Praktikant wird in jedem Fall schon bald in der Arbeitsgruppe von Shanley Allen erwartet.

 

Auf dem Foto ist Professorin Shanley Allen (rechts) mit Anja Castro-Diephouse zu sehen. Foto: TUK/Koziel

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 19.12.2022 von
Melanie Löw