© Patricia Hammer
Deutsch-mexikanische Kooperation
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Innerstädtische Grünflächen, klare Luft und Pfälzer Weine begeisterten mexikanische Gäste

Die beiden mexikanischen Studenten Hugo González Altamirano und Juan José Esparza López von der Universidad de Guadalajara waren zur Mitarbeit im Rahmen des Projekts „The Role of Green Innovation Areas in Revitalizing German and Mexican Cities (GIAGEM)“ in Kaiserslautern. Sie nehmen viele Eindrücke und Erfahrungen mit, mit denen sie auch ihre Heimat zukünftig aus einer anderen Perspektive betrachten werden.

Von Unispectrum live

„Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, dass man Leitungswasser bedenkenlos trinken kann“, sagt Hugo Altamirano auf die Frage hin, was für ihn bei seinem ersten Besuch in Deutschland neu war. „In Mexiko gibt es keine standardisierte Trinkwasserversorgung, oftmals ist das Wasser ungenießbar.“ Doch auch diese Problematik ist Teil des Workshops, der die mexikanischen Studenten an die TUK geführt hat. Der Forschungsschwerpunkt der deutsch-mexikanischen Kooperation liegt auf der Bioökonomie als zukünftigem Wirtschaftszweig für strukturschwache Städte. Auf dem Programm standen unter anderem Exkursionen zu ausgewählten deutschen Beispielen. Außerdem hatten Partner aus der Wirtschaft, die am Projekt beteiligt sind, die Möglichkeit, ihre innovativen Ansätze im Rahmen eines Workshops zu präsentieren.

So nahm beispielweise auch Peter Zeller, Geschäftsführer des Aquakultur Unternehmens „Fresh“, mit Produktionsstandort in Völklingen, als Praxispartner an dem Workshop teil. Die Studenten hatten auch die Gelegenheit das Firmengelände und die dortige Fischzucht im Rahmen einer Exkursion zu besichtigen.

Außerhalb des fachlichen Rahmens konnten die beiden Gaststudenten ebenfalls viel Neues in Deutschland entdecken. Beide zeigten sich über die deutsche Infrastruktur und das Bahnnetz sehr beeindruckt. - Aber auch wie gut man zu Fuß oder mit dem Fahrrad in Kaiserslautern unterwegs ist. „Wir haben zum Beispiel in unserer Heimatstadt Guadalajara für über 1,5 Millionen Einwohner gerade einmal zwei U-Bahnlinien, aber in Deutschland gehört für alle Bewohner der öffentliche Personennahverkehr bereits zum Alltag, sogar im ländlichen Raum“, erzählt Hugo Altamirano.

Besonders Juan war von den Gegebenheiten außerhalb Mexikos sehr beeindruckt. „Ich bin zum ersten Mal im Ausland und was ich die letzten drei Wochen hier erlebt habe, hat bereits jetzt meine Sicht auf viele Dinge, die für mich normal waren, verändert“, staunt Juan López. Neben dem unerwartet abwechslungsreichen deutschen Essen, den guten Pfälzer Weinen und warmer Gastfreundschaft war ein weiteres Highlight der beiden das direkt an die Universität anschließende Waldgebiet. „In Mexiko gibt es so etwas nicht, in den Städten sind kaum Grünflächen vorhanden. Hier ist das völlig anders“, erzählt Hugo Altamirano. Leicht schmunzelnd gesteht er dann, dass die Landschaft um Kaiserslautern ihn dazu veranlasst hat, das Wandern für sich zu entdecken und er dieses neue Hobby in Mexiko weiterverfolgen möchte. Vor allem die perfekt ausgeschilderten Waldwege sind ihm von seinen Ausflügen in Erinnerung geblieben.

Sobald die beiden Studenten wieder zu Hause sind, steht für Juan López bereits die nächste große Herausforderung an. Er ist mitverantwortlich für die Organisation des dritten GIAGEM-Projekt-Workshops, der wiederum in Mexiko stattfinden wird: „Ich habe hier viele Ideen bekommen, wie ich das nächste Forschungstreffen zu Hause realisieren kann. Vor allem möchte ich eine perfekte Atmosphäre schaffen und ein Rahmenprogramm erstellen, dass allen Anwesenden einen realistischen Eindruck von der Situation in meiner Heimat vermittelt.“ Beide nehmen nämlich an dem Projekt teil, um zukünftig in einem internationalen Kontext zu arbeiten und in Deutschland praktizierte Methoden als Innovationen zurück nach Mexiko zu bringen.

„Durch unsere Teilnahme am GIAGEM-Workshop und die gesellschaftlichen Eindrücke, die wir gesammelt haben, kehren wir mit einem anderen Blick auf die Probleme in unserem Land zurück, aber auch gleichzeitig mit neuer Motivation etwas verändern zu wollen“, schließen Juan López und Hugo Altamirano ihre Erzählungen.

 

Zum Hintergrund:

Das GIAGEM Projekt wird durch Prof. Dr. Karina Pallagst, Lehr- und Forschungsgebiet IPS (Internationale Planungssysteme) am Fachbereich Raum- und Umweltplanung federführend geleitet. Kernelement des GIAGEM-Projektes ist die Frage wie in deutschen und mexikanischen Städten mit den, durch den Strukturwandel brach gefallenen, Innerstädtischen Flächen umgegangen werden kann und welche Möglichkeiten für die Stadtplanung bestehen diese wieder zu beleben. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf der relativ neuen Bioökonomie als zukünftigem Wirtschaftszweig. Auf deutscher Seite wird das Projekt durch das BMBF gefördert, auf mexikanischer Seite durch CONACYT.

Aus diesem Projekt heraus hat sich mittlerweile eine offizielle Kooperation zwischen der TUK sowie der Universidad de Guadalajara entwickelt. Dies wird zukünftig den strukturellen Austausch zwischen beiden Bildungseinrichtungen weiter fördern und es mehr Studierenden ermöglichen, auch außerhalb des GIAGEM Projektes, internationale Erfahrungen zu sammeln. www.uni-kl.de/giagem

Bild des Benutzers Natascha Möller
Erstellt
am 16.10.2017 von
Natascha Möller