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Sensorsystem im Arbeitsalltag
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Neue Technik soll Körper-Haltung verbessern

Auf Dauer kann eine ungünstige Körper-Haltung am Arbeitsplatz gesundheitliche Folgen haben. Geht es nach Forschenden der TU Kaiserslautern und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), dann muss es soweit jedoch bald nicht mehr kommen: Sie arbeiten an einer Technik, die eine falsch eingenommene Position erkennt.

Von Unispectrum live • Christine Pauli

Es schmerzt im Kopf, es drückt am Rücken, Hüfte oder Knie sind in Mitleidenschaft gezogen - viele Berufstätige kennen es: Nach so manchem 8-Stunden-Tag ist nicht nur die Konzentration dahin, – auch der Körper meldet sich mit dem ein oder anderen Leiden. 

Die Ursachen für körperliche Beschwerden am Arbeitsplatz sind vielfältig: Schuld an Rückenschmerzen ist mitunter eine falsch eingenommene Sitzhaltung. Den meisten Menschen fällt es nun mal schwer, mehrere Stunden eine aufrechte, rückenentlastende Position einzunehmen. Auch ein nicht richtig eingestellter Schreibtischstuhl ist für so manches Rücken-Problem verantwortlich.

Eine nach vorne gebeugte Körper-Haltung wiederum, – wie sie beispielsweise beim Blick auf einen Bildschirm typisch ist, – kann über längere Zeit hinweg sowohl Hals- als auch Nackenmuskeln stark beanspruchen. Spannungskopfschmerzen machen sich bemerkbar. 

Genauso sorgt mitunter eine verdrehte Kopfhaltung für Beschwerden. Was in diesem Fall helfen kann: Den Bildschirm so aufstellen, dass Blendungen und Reflexionen bei der Arbeit vermieden werden - und man so nicht unwillkürlich den Kopf drehen muss.

Überhaupt gibt es viele Tipps, die besagen, wie sich körperlichen Beschwerden während der Arbeitszeit vorbeugen lässt. Das ein oder andere werden die meisten Arbeitnehmer vielleicht schon einmal gehört haben: Bei der Bildschirmarbeit Pausen einlegen. In der Mittagspause draußen an der frischen Luft spazieren gehen. Insgesamt sollte man versuchen, sich während der Arbeitszeit zu bewegen. Hat man beispielsweise ein tragbares Telefon, dann ließen sich während eines Gesprächs ein paar Schritte gehen. Um gezielt Spannungskopfschmerzen zu vermeiden, werden Übungen für zwischendurch empfohlen: Beide Schultern 20 Mal vorwärts kreisen, danach 20 Mal rückwärts. Anschließend versetzt eine Schulter nach der anderen nach vorne bewegen – das ganze 20 Mal. Dann 20 Mal nach hinten.

Sensoren kommen zum Einsatz, die an verschiedenen Körperstellen aufgebracht werden
Doch nicht immer findet man im stressigen Berufsalltag die Zeit, sich an die vielen guten Ratschläge zu halten. Die Konzentration liegt nun einmal voll und ganz auf der Arbeit. Man bräuchte eine Art Wecker, der einen daran erinnert, mehr auf den Körper zu achten.  

So etwa Ähnliches wird derzeit von einem Forscherteam des DFKI und der Technischen Universität Kaiserslautern entwickelt. Dabei sollen Sensoren zum Einsatz kommen, die an verschiedenen Körperstellen wie Armen, Wirbelsäule und Beinen aufgebracht werden. „Diese messen unter anderem Beschleunigungen und sogenannte Winkelgeschwindigkeiten. Die Daten werden im Anschluss von unserer Software verarbeitet“, erklärt Markus Miezal von der Arbeitsgruppe wearHEALTH an der TUK. 
Anhand der Informationen berechnet die Software Bewegungsparameter wie zum Beispiel Gelenkwinkel an Arm und Knie - oder den Grad der Beugung oder Verdrehung der Wirbelsäule. „Die Technik erkennt dabei sofort, wenn eine Bewegung falsch ausgeführt oder eine falsche Haltung eingenommen wird“, fährt sein Kollege Mathias Musahl vom Forschungsbereich Augmented Vision/Erweiterte Realität am DFKI fort. 

Nutzer wird direkt informiert, sodass er Bewegung oder Haltung korrigieren kann
Über eine Smartwatch soll der Nutzer dann direkt informiert werden, sodass er seine Bewegung oder Haltung korrigieren könnte. Interessant ist die Technik nicht nur für den Büro-Alltag. Auch beispielsweise bei Prozessen in der Industrie bringt sie eine Verbesserung: wenn Beschäftigte in gebückter Haltung etwa Bauteile zusammensetzten. Die Forscher planen unter anderem, die Sensoren in Arbeitskleidung und -schuhen einzubauen. 

Die Arbeiten sind eingebunden in das Projekt BIONIC, das von der Europäischen Union gefördert wird. BIONIC steht für „Personalized Body Sensor Networks with Built-In Intelligence for Real-Time Risk Assessment and Coaching of Ageing workers, in all types of working and living environments“. Koordiniert wird es von Professor Didier Stricker, Leiter des Forschungsbereichs Augmented Vision/Erweiterte Realität am DFKI. Ziel ist es, ein Sensorsystem zu entwickeln, mit dem sich Fehlhaltungen und andere Belastungen am Arbeitsplatz reduzieren lassen.

Am Vorhaben beteiligt sind neben dem DFKI und der TUK: die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund, das spanische Instituto de Biomechanica de Valencia, das Fundación Laboral de la Construcción, ebenfalls in Spanien, das Forschungszentrum Roessingh Research and Development an der Universität von Twente in den Niederlanden, das Systems Security Lab der griechischen Universität von Piräus sowie die Unternehmen Interactive Wear GmbH aus München, Hypercliq IKE aus Griechenland, ACCIONA Construcción S.A. aus Spanien und die Rolls-Royce Power Systems AG in Friedrichshafen.
 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 02.12.2021 von
Melanie Löw

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