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Von der Mädchenschule ins Physikstudium
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Lena Scherthan über Zufälle, Flexibilität und die Arbeit in der Forschung

„Einfach ausprobieren und den Mut haben – wie soll man sonst feststellen, ob es einem liegt oder nicht?...“, das rät Lena Scherthan allen jungen Frauen, die zögern ein naturwissenschaftliches Studium zu beginnen. Sie hatte den Mut und entschied sich für ein Physikstudium. Mittlerweile promoviert sie in der Arbeitsgruppe Biophysik und Medizinische Physik.

Von Unispectrum live • Simone Wagner

Wieso Physik? Das wird Scherthan oft gefragt. Ein Grund war unter anderem der Besuch der Mädchenschule in ihrer Heimatstadt Landau, „dort wurden besonders die naturwissenschaftlichen Fächer gefördert. Wir waren fast 20 Schülerinnen im Physik Leistungskurs, an einer gemischten Schule wäre das bestimmt anders gewesen“, vermutet sie. Sowohl ihre Neugierde als auch der Spaß am logischen Denken und beim Problemlösen führten sie so zum Physikstudium. 

Die Entscheidung für ein Studium an der TUK hat sie nie bereut. Vor allem die familiäre Atmosphäre, der direkte Kontakt zu den Professoren, aber auch die Veranstaltungen und Unterstützung der Fachschaft vereinfachten den Studieneinstieg und blieben ihr in guter Erinnerung. Dankbar ist sie für die finanzielle Unterstützung, die sie während des Studiums durch das Anfängerinnen- und später durch das Deutschlandstipendium erhielt, berichtet Scherthan. Ihr Tipp für Studienanfänger: „In eine WG ziehen - da muss man der Typ dafür sein - aber dadurch knüpft man schnell neue Kontakte.“ 

Eine weitere Bereicherung neben dem Studium war für sie ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Evangelischen Kirch der Pfalz. Sie organisierte und leitete Klassenfahrten für Schülerinnen und Schüler zu sozialen und gesellschaftspolitischen Themen in Jugendherbergen. „Die Arbeit mit den Schülern hat mir sehr viel Spaß gemacht und es war eine tolle Abwechslung neben dem Studium.“ 

Eher durch Zufall lernte Scherthan die Arbeitsgruppe Biophysik und Medizinische Physik von Professor Schünemann kennen - ein missglücktes Experiment im fortgeschrittenen Praktikum führte sie dorthin. Scherthan blieb, zunächst als Hiwi, später als Diplomandin, inzwischen promoviert sie dort. Besonders gut gefällt ihr, die interdisziplinäre Zusammenarbeit, denn die Gruppe besteht aus Chemikern, Biophysikern und Physikern, „dadurch bekommt man auch Einblicke in andere Disziplinen“ sagt sie. 

Ihre Arbeit grenzt an das Forschungsgebiet Chemie an. Für ihre Promotion forscht sie an einer neuen Form von Magneten, den molekularen Magneten. Mit ihnen könnte es künftig möglich sein, wesentlich mehr Informationen zu speichern. Dazu kommen spezielle Techniken zum Einsatz: Bei der sogenannten Mössbauer-Spektroskopie handelt es sich um ein Analyseverfahren, bei dem mit Hilfe von hochenergetischer Röntgenstrahlung die Absorption von Atomkernen untersucht wird. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich, „das besondere an meiner Stelle ist, dass ich nicht nur vor Ort im Labor arbeite, sondern auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen“, berichtet sie begeistert. 

Gerade erst war das Team um Prof. Schünemann und Scherthan für ihre Versuche am US-amerikanischen Argonne National Laboratoy in der Nähe von Chicago. Meist dauert ein Forschungsaufenthalt nur eine Woche, fährt sie fort, dabei ist Flexibilität gefragt. „Diese eine Woche wird im Vorfeld genau geplant, man hat aber immer nur ein Bild im Kopf, wie es in dem Labor ungefähr aussehen wird, da kann es sein, dass vor Ort wieder umorganisiert wird“, aber gerade das findet Scherthan spannend. Im Gegensatz zur Uni wird an den Forschungsinstituten Tag und Nacht gearbeitet, denn die zur Verfügung stehenden Messzeiten sind begrenzt. „Wenn Versuche laufen, laufen sie. Das Team teilt sich auf, wer wann arbeitet“, sagt sie. So bleibt neben den Messungen ab und zu auch noch ein wenig Zeit die Stadt zu erkunden, erzählt Scherthan mit einem Augenzwinkern. 

Trotz Promotion findet Scherthan noch Zeit für Freizeit und Familie. Um den Kopf frei zu bekommen und vom beruflichen Alltag abzuschalten, zieht es sie regelmäßig auf den Golfplatz, „selbst bei schlechtem Wetter und 2 Grad bin ich im Winter fast jedes Wochenende unterwegs, es tut einfach gut in der Natur zu sein.“

Ihr Ziel ist es, dieses Jahr die Promotion abzuschließen, „was danach kommt ist noch offen, wahrscheinlich ist der Einstieg in die Industrie und Wirtschaft.“ Dann hat Scherthan vielleicht auch wieder Zeit für ihre zweite Leidenschaft, die Musik. 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 22.05.2019 von
Melanie Löw

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