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Kaiserslauterer Start-up lässt reale und virtuelle Welten in Fabrikhallen verschmelzen

Reale und virtuelle Welten verschmelzen – nicht nur beim Spiel „Pokémon Go“, sondern auch in Fabriken. Das Kaiserslauterer Start-up „ioxp“ hat eine Technik entwickelt, mit der solche virtuellen Informationen zeitnah produziert und für Datenbrillen aufbereitet werden können.

Von Unispectrum live • Melanie Löw

Wenn in diesen Tagen Millionen junger Menschen weltweit durch die Straßen schleichen, den Kopf gesenkt halten und konzentriert auf ihr Smartphone starren, sind sie meist auf der Jagd nach Pokemons. Das Spiel „Pokemon Go“, bei dem virtuelle Monster an echten Orten in der Wirklichkeit gefangen werden sollen, ist ein gutes Beispiel, das zeigt: Reale und virtuelle Welten verschmelzen zunehmend.

Auch in der Industrie haben virtuelle Welten längst Einzug gehalten. Fachleute sprechen hierbei von Augmented Reality – oder von Erweiterter Realität. Vor allem Datenbrillen sollen hierbei in Zukunft zum Einsatz kommen. „Sie liefern den Arbeitern wichtige Informationen für die Produktion oder die Wartung von Maschinen“, sagt Jan Hirzel vom Start-up ioxp, was für „Input and Output of experience“ steht. Der Fokus der Jungunternehmer liegt darauf, Arbeitsanweisungen direkt im Sichtfeld des Arbeiters darzustellen, um Abläufe zu vereinfachen und zu verbessern. Außerdem kann das System direkt darauf hinweisen, wann ein Arbeitsergebnis nicht der Referenz entspricht.

„Um solch eine Technik zu verwenden, mussten Unternehmen bislang die einzelnen Arbeitsschritte  in einem aufwendigen, manuellen Verfahren für Datenbrillen aufbereiten“, so Hirzel weiter. Die Jungunternehmer haben eine Technik entwickelt, die diese Prozedur deutlich vereinfacht. „Mit unserem Verfahren wird dem System einmal gezeigt wie ein Arbeitsvorgang korrekt durchzuführen ist“, erklärt Hirzel. „Unsere Software bereitet die Aufnahme im Anschluss für Datenbrillen automatisch auf.“ Das System kann das Gezeigte selbstständig in einzelne Arbeitsschritte unterteilen. Die Technik ist zudem so schnell, dass der komplette Arbeitsprozess in kurzer Zeit für eine Datenbrille zur Verfügung steht.

„Unser System überlagert virtuelle Informationen mit der Realität. Bei korrekter Ausführung des Arbeitsschrittes wird die Hand des Nutzers im Sichtfeld grün Hand überlagert“, erläutert Hirzel das Verfahren. „Fehler hierbei werden durch eine rote eingefärbte Hand visualisiert.“ Außerdem erkennt es, wenn ein Arbeitsschritt fertig ist und führt den Benutzer ohne weitere Interaktion mit dem Gerät zum passenden, nachfolgenden Schritt.

Bislang mangelte es der aktuellen Hardwaregeneration noch an Ausgereiftheit, um solche Techniken effektiv nutzen zu können. „Hier hat sich in letzter Zeit jedoch viel getan, sodass es in den kommenden Jahren immer mehr Datenbrillen geben wird, die den Ansprüchen der Industrie genügen“, weiß Hirzel. Teilweise kommen sie auch heute schon zum Einsatz. So arbeiten die Jungunternehmer bereits unter anderem mit dem Technologiekonzern Bosch und dem Nutzfahrzeugbauer John Deere zusammen.

Und wer noch nicht auf eine Datenbrille zurückgreifen kann, kann die Technik auch mit dem Smartphone nutzen. „Hier werden die Informationen in aneinander gereihten Filmschnipseln gezeigt“, so Hirzel. Zu ihrem System gehört ebenfalls eine Datenbank, die ständig mit aktuellen Informationen gefüttert werden kann. „Gibt es zum Beispiel einen neuen Arbeitsschritt, kann man diesen filmen und in der Datenbank abspeichern“, sagt der Informatiker.

Neben Jan Hirzel zählen zum Start-up Philipp Hasper, Alexander Lemken und Nils Petersen, der die Technik bereits im Rahmen seiner Doktorarbeit am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) entwickelt hat. Die Jungunternehmer werden bei ihrem Vorhaben vom Gründungsbüro der TU unterstützt und vom DFKI gefördert. Die Informatiker pendeln zwischen Kaiserslautern und Mannheim, wo sie in der Zwischenzeit ein weiteres Büro eröffnet haben. Ihre Technik ist gefragt. Die vier Gründer haben damit bereits einige Innovationspreise gewonnen wie zum Beispiel den Gründerwettbewerb IKT des Bundeswirtschaftsministeriums. Und auch in den Medien sorgten sie erst kürzlich bundesweit für große Aufmerksamkeit, als die Tagesthemen ihre Technik vorgestellt hat.

Wenn in ein paar Jahren die Datenbrillen in den meisten Fabrikhallen zum Einsatz kommen, läuft darin auch Technologie aus Kaiserlautern – dank der Informatiker von ioxp.

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 07.10.2016 von
Melanie Löw

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