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Forschungsaufenthalt an der Stanford University - „wissenschaftlich enorm inspirierend“

Felix Boos promoviert seit 2015 in der Arbeitsgruppe Zellbiologie von Prof. Johannes Herrmann. Im Zuge seiner Forschung hat Boos mehrere Wochen an der renommierten Stanford University verbracht. Uns erzählt er, wie er die Zeit in Kalifornien erlebt hat und wie der Kontakt nach Standford zustande kam.

Von Unispectrum live • Simone Wagner

Sie promovieren an der TUK im Fachbereich Biologie. An was forschen Sie?

Felix Boos: Ich forsche in der Abteilung Zellbiologie an Mechanismen, die den korrekten Transport von Proteinen innerhalb der Zelle sicherstellen. Insbesondere geht es um Mitochondrien, die „Kraftwerke der Zelle“. Etwa 1000 Proteine müssen den Weg vom Cytosol (der „Zellflüssigkeit“) ins Mitochondrium finden. Wenn sie das nicht in recht kurzer Zeit schaffen, verklumpen sie und bilden toxische Aggregate, wie sie oft auch bei Alterskrankheiten wie Parkinson oder Alzheimer auftreten. In meinem Promotionsprojekt konnte ich eine zelluläre Stressantwort aufdecken, die hochgefahren wird, sobald der Transport von Proteinen in die Mitochondrien gestört wird. Proteine, die unterwegs „hängengeblieben“ sind, werden abgebaut und es werden erstmal nicht mehr so viele davon hergestellt – bis der Weg in die Mitochondrien wieder frei ist.
 

Sie haben sechs Wochen an der Stanford University verbracht. Wie gelang der Kontakt nach Kalifornien?

Felix Boos: Judith Frydman, eine weltführende Forscherin im Bereich der Proteinfaltung, habe ich letztes Jahr auf einer Konferenz in New York getroffen. Sie sprach mich nach meinem Vortrag dort an, da sie in einem ihrer Projekte interessante Beobachtungen gemacht hatte, die gut zu meinen Ergebnissen passen. Als Ergebnis unseres Gesprächs lud sie mich nach Stanford in ihr Labor ein, um mit den dort etablierten hochmodernen Methoden diesen Aspekt als Kooperationsprojekt genauer zu beleuchten. Genauer habe ich „Ribosome Profiling“ gelernt und durchgeführt. Dies ist eine Methode, die auf der Gensequenzierung beruht und mit der sich sehr genau messen lässt, welche Proteine gerade in der Zelle hergestellt von sogenannten Ribosomen werden und mit welcher Dynamik. Also ob zum Beispiel Ribosomen bei bestimmten Proteinen unter Stress „hängen bleiben“ oder die Herstellung verfrüht abbrechen.
 

Gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit in Standford und an der TUK?

Felix Boos: In Stanford ist alles „zwei Nummern größer“. Zu Fragestellungen, zu denen wir hier ein paar einzelne Gene untersuchen würden, bekommt man dort vorgeschlagen, doch gleich das komplette Genom, also mehr oder weniger alle Gene der Zelle, zu sequenzieren.
Der größte Unterschied besteht aber eher in dem extrem stimulierenden Umfeld. Eine große Zahl an sehr ambitionierten Postdocs führt zu Know-how und Kompetenzen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Egal, zu welchem Thema man eine Frage hat oder für welche neue Technik man sich interessiert, man findet binnen kürzester Zeit jemanden, der das schon mal ausprobiert hat oder jemanden aus dem Nachbarlabor kennt, der gerade gestern so einen Versuch gemacht hat.
Fast jeden Tag hatte ich tolle Diskussionen zu ganz aktuellen Themen. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Gastvorträgen sehr renommierter Forscher aus ganz verschiedenen Bereichen.

Der Campus ist überwältigend. Sehr weitläufige Anlagen und aufwendige Architektur. Kostenlose Elektrobusse fahren einen tagsüber über den Campus. Ich muss aber auch sagen, dass der Campus in Kaiserslautern, obwohl oder gerade weil er weit weniger bombastisch daherkommt, auf mich insgesamt sympathischer wirkt. Und die Mensa ist in Kaiserslautern auch besser!
 

Haben Sie direkt auf dem Campus gewohnt?

Felix Boos: Ich habe in einem Bed & Breakfast, im „Sutter House“, in Palo Alto gelebt, dem Städtchen, zu der die Stanford University gehört. Quasi das Herz des Silicon Valley, nur ein paar Straßen weiter war das Haus von Steve Jobs sowie die Garage, in der Hewlett und Packard ihren ersten Computer zusammengeschraubt haben.
 

Was nehmen Sie von dem Auslandsaufenthalt mit? Wie hat Sie die Auslandserfahrung bereichert?

Felix Boos: Es war eine tolle Erfahrung. Wissenschaftlich enorm inspirierend. Auch habe ich tolle Methoden erlernt und interessante Daten mit nach Hause nehmen können, die ich nun an der TUK aufarbeite, in regelmäßigem Kontakt mit den Kollegen in Stanford.
Außerhalb des Labors hat mich die Gegend sehr beeindruckt. Insbesondere San Francisco, eine Zugstunde nördlich von Palo Alto, habe ich ins Herz geschlossen.
 

Wie sehen ihre beruflichen Zukunftspläne aus?

Felix Boos: Meine Promotion wird voraussichtlich noch bis nächsten Sommer dauern. Daher beginnt für mich nun die Phase, über den nächsten Schritt nachzudenken und ein Labor für den Postdoc auszuwählen. Es ist gut möglich, dass mich mein Karriereweg für einen Postdoc wieder in die Bay Area führt.

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Erstellt
am 21.08.2019 von
TU Admin

Originalautor

Simone Wagner