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Forschen an Elektromotoren
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Zur Teatime beim englischen Autokonzern

Absolvent Maximilian Wilhelm hat es nach seinem Studium nach England verschlagen, wo er für einen Autobauer arbeitet. Vieles war für ihn hier neu, etwa der Linksverkehr und das Tee-Trinken. Wie schon im Studium forscht er auf der Insel an Elektromotoren.

Von Unispectrum live

Dass es ihn nach seinem Studium direkt ins englische Birmingham verschlagen sollte, hatte Maximilian Wilhelm so nicht geplant. Der 28-Jährige arbeitet seit vergangenem Jahr beim Automobilhersteller Jaguar und Land Rover in der Forschung. Der Liebe wegen hat es ihn auf die Insel verschlagen. „Meine Freundin wohnt dort“, sagt Wilhelm. „Und ich hatte mich dort nach Stellen umgeschaut.“ Als er die Ausschreibung des Unternehmens gefunden hatte, musste er nicht lange überlegen. „Das ging alles recht schnell“, fährt er fort. „Aber es war auch etwas Glück dabei.“

In England entwickelt der Absolvent der TUK Elektromotoren. „Mit der Sprache war es am Anfang nicht einfach“, so Wilhelm weiter, der zwar sehr gut Englisch spricht, aber mit den speziellen Fachbegriffen Schwierigkeiten hatte. „Die Kollegen waren sehr hilfsbereit. Wir sind ein internationales Team. Meine Kollegen kommen unter anderem aus Frankreich, Polen, Malta und den USA.“

Schon früh hat sich der Ingenieur mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt. Wilhelm hat an der TUK Maschinenbau mit Fahrzeugtechnik und Energietechnik studiert und früh Praxisluft geschnuppert, etwa bei der Automobilprüftechnik Landau (APL). Für seine Diplomarbeit ist er schließlich nach Stuttgart gegangen und hat dort beim Autokonzern Daimler an Elektromotoren geforscht. Für diese Abschlussarbeit ist er vor kurzem auch mit dem 2. Platz des bundesweiten DRIVE-E-Studienpreis in der Kategorie „Diplom-/Masterarbeiten“ ausgezeichnet worden.

Die Kollegen trinken zweimal am Tag Tee, um zehn und um 14 Uhr. Das wird hier richtig zelebriert.

Maximilian Wilhelm

 „Im Studium hatte ich viele Freiheiten. So konnte ich den Fokus auf meine Interessen legen“, sagt er rückblickend. „Die Qualität der Ausbildung war sehr hoch.“ Auch habe er gelernt, selbstständig zu arbeiten und sich Wissen anzueignen. An seinem Studium geschätzt hat er vor allem die guten Kontakte zur Industrie. „Es hilft, früh praktische Erfahrungen zu sammeln.“

In seiner neuen Heimat fühlt er sich wohl. Er wohnt unweit von Birmingham und arbeitet auf dem Campus der University of Warwick, wo sein Arbeitgeber ein eigenes Forschungsinstitut hat. „Das fühlt sich immer noch wie das Studentenleben an“, sagt er mit einem Lachen. An einige Sitten musste sich der Pfälzer aber noch gewöhnen. „Die Kollegen trinken zweimal am Tag Tee, um zehn und um 14 Uhr. Das wird hier richtig zelebriert“, sagt der Kaffeetrinker. Auch geht es im Job persönlicher zu. „Wir reden uns alle mit Vornamen an.“ Auf der anderen Seite seien Fragen wie „How are you“, also „Wie geht es Dir“, nur reine Floskeln zur Begrüßung. „Niemand erwartet, dass man wirklich antwortet“, sagt er lächelnd.

Gut findet Wilhelm vor allem die langen Ladenöffnungszeiten an den Wochenenden. „Wir können auch sonntags einkaufen gehen. Das ist stressfreier. Man hat mehr Zeit, um die Einkäufe zu erledigen oder zum Friseur zu gehen.“ An den Linksverkehr hat er sich in der Zwischenzeit auch schon gewöhnt und eine Fahrprüfung bei seinem Arbeitgeber bestanden. Zur Arbeit fährt er allerdings mit dem Bus. „Die Anbindungen zum Campus sind sehr gut."

Alle drei Monate geht es für ein paar Tage zurück in die Heimat. Bei seinem letzten Besuch hat er auch ein paar pfälzische Weine gekauft, um die Kollegen in England auf den Geschmack zu bringen. Und vielleicht lernt Wilhelm eines Tages doch noch das Tee-Trinken zu schätzen.

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 24.09.2018 von
Melanie Löw