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Dr.-Ing. Matthias Proske über seine Uni-Zeit in Kaiserslautern
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„Von Qualität und Interdisziplinarität meines Studiengangs profitiere ich noch heute“

Raum- und Umweltplanung studierte Dr.-Ing. Matthias Proske einst an der Universität in Kaiserslautern. Es folgte ein beeindruckender beruflicher Werdegang: Heute ist er Verbandsdirektor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein in Karlsruhe. Seiner Alma Mater ist er als Lehrbeauftragter nach wie vor eng verbunden.

Von Unispectrum live • Christine Pauli

„Es gibt so viele schöne Erinnerungen“, sagt Dr.-Ing. Matthias Proske, fragt man nach den besten Momenten, die er während seiner Uni-Zeit in Kaiserslautern erlebt hat. „Besonders erinnere ich mich an den Anfang meines Studiums, das war im Wintersemester 1997/ 98. Der 1. FC Kaiserslautern war gerade in die erste Bundesliga aufgestiegen. Und 1998 ist der FCK dann mit Otto Rehagel direkt als Aufsteiger deutscher Meister geworden. Diese Stimmung damals in der Stadt, das war unglaublich. Das war mit das Abgefahrenste, was ich jemals erlebt habe.“

Aber mal von dieser ganz besonderen Saison abgesehen, auch aus anderen Gründen habe er Kaiserslautern und insbesondere die dortige Universität schätzen gelernt: „Dass man zu Fuß in den Pfälzerwald gehen kann, ist natürlich ein Mehrwert, den es so nur hier gibt.“ Nur wenige Meter seien es so von den Uni-Gebäuden zu einem Ort mit hohem Freizeit- und Erholungswert. Und Matthias Proske ergänzt: „Kaiserslautern ist eine Campus-Uni. Dieses intensive Zusammentreffen mit anderen Studierenden ist schon etwas Besonderes. Es sind damals Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen.“

„Ich wurde zum Generalisten ausgebildet“

Matthias Proske ist seit April 2022 Verbandsdirektor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein. Über seine Zeit als Student der Raum- und Umweltplanung meint er rückblickend: „Ich bin zum Generalisten ausgebildet worden.“ Er könne dadurch Dinge von verschiedenen Perspektiven aus betrachten. Ein Riesenvorteil sei das, der ihn bis heute in seinem Alltagsgeschäft begleitet: „Wenn man die Augen nach links und nach rechts offen hält, dann gelingt es, verschiedene Interessenslagen, Leute und Gemeinden zusammen zu bringen.“

Seine Offenheit für verschiedene Sichtweisen ließ ihn beruflich vorankommen. Nach seinem Studium hatte Proske ab 2005 mehrere anspruchsvolle Positionen inne: Er war unter anderem Regionsbeauftragter bei einem bayerischen Regierungspräsidium, Stellvertretender Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein in Freiburg, von 2017 bis März 2022 Verbandsdirektor des Regionalverbands Nordschwarzwald – oder zuvor Abteilungsleiter für Standortpolitik bei der Industrie- und Handelskammer in Ulm. Jede einzelne Station habe er genutzt, um Neues zu lernen, sagt er. Auch als Stellvertretender Referatsleiter im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie von 2010 bis 2013 habe er Einblicke erhalten, die für ihn heute Gold wert seien: „Ich habe sehr viel über die Entscheidungsprozesse einer Landesregierung gelernt.“ Dadurch wisse er, wie und wo man ansetzen müsse, um bestimmte Reaktionen hervorzurufen oder Ziele zu erreichen: „Eine Landesregierung und ein Landtag ticken nicht immer so, wie man von außen vielleicht vermuten könnte.“

„Schon in der Schule hatte ich ein Faible für Geografie“

Und warum hat er sich damals für den Studiengang Raum- und Umweltplanung entschieden? „Schon in der Schule hatte ich ein Faible für Geografie. Für Stadt- und Raumentwicklung habe ich mich bereits damals interessiert.“ Matthias Proske: „Ich wollte wissen, wie sich gute Lebensbedingungen schaffen lassen, ohne dass dabei eine natürliche Umgebung zerstört wird.“ Er fand es spannend, zu überlegen, wo in einer Region etwas hinkommen soll. Die bestmögliche Organisation des Raums sozusagen.

Weshalb ist die Wahl des Studienortes ausgerechnet auf Kaiserslautern gefallen? „Die Qualität des Studiengangs hat mich im Vorfeld angesprochen. Im Bereich der Raum- und Umweltplanung genießt die Uni Kaiserslautern einen hervorragenden Ruf.“ Auch die Interdisziplinarität, die das Studienfach an der TU zu bieten hat, habe ihm gefallen – die Sichtweise über den Tellerrand: „Wir wurden ja zusammen mit Bauingenieuren und Architekten ausgebildet.“

Doktorarbeit im Forschungsfeld „Demografischer Wandel“

Berufsbegleitend hat Matthias Proske von 2006 bis 2011 an der TU Kaiserslautern auch promoviert. Thematisch ging es um Aspekte des demografischen Wandels. Mit Wanderungsmotiven habe er sich beschäftigt: „Was Menschen umtreibt, wenn sie an einen anderen Wohnort ziehen.“ Er sei der Frage nachgegangen, ob es für junge Menschen, die beispielsweise neu in eine Gemeinde ziehen, eine Rolle spielt, ob es dort in ein paar Jahren noch eine Schule gibt – oder ob es diese möglicherweise nicht mehr geben wird. Matthias Proske: „Überraschenderweise spielte es für die von mir Befragten keine Rolle. Die Leute gehen davon aus, dass die Schule bleibt.“ Angesichts einer alternden Gesellschaft ein möglicher Trugschluss. Wie offizielle Stellen mit dieser Erkenntnis umgehen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Infrastruktur zu stabilisieren, hat Matthias Proske ebenfalls im Rahmen seiner Dissertation ausgearbeitet.

Tipp für Studierende: Auch weitere Bildungsangebote der Uni nutzen

Doch noch mal zurück zum Studium in Kaiserslautern. Welchen Tipp kann Matthias Proske Studienanfängern mit auf den Weg geben? „Bei den Wahlpflichtfächern an den eigenen Interessen orientieren. Denn wenn man gut in etwas ist, dann stehen einem später viele Türen offen.“ Und auch an der Uni sollte man bereits nach links und nach rechts schauen: „Ich empfehle unbedingt die mannigfaltigen zusätzlichen Weiterbildungsmöglichkeiten der Uni in Anspruch zu nehmen.“ Ein Rhetorik-Kurs könne das sein: „Man lernt so bestimmte Kniffe, wie man etwas verkauft. Das braucht man später immer wieder.“ Und der ehemalige TU-Student ergänzt: „In dieser Breite gibt es ein Lehrangebot, das über das eigentliche Studienfach hinausgeht und welches man im späteren Berufsleben nicht mehr so vorfindet. Das sollte man nutzen. Und nicht einfach nur das Pflichtprogramm absolvieren.“

Welchen Tipp gibt er Absolventinnen und Absolventen? „Möglichst frühzeitig klare Vorstellungen davon haben, was man inhaltlich machen will.“ Und sich nach dem Studium nicht auf einen bestimmten Ort fixieren: „Später kann man immer noch schauen, wo es einem gefällt und sich dort niederlassen.“ 

„Ein solcher Input von außen hat mir als Student immer gefallen“

Matthias Proske ist mit seiner Alma Mater nach wie vor eng verbunden – als Lehrbeauftragter am Lehrstuhl Regionalentwicklung und Raumordnung. Was hat ihn gereizt, diese Tätigkeit zu übernehmen? „Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben. Von der Perspektive außerhalb des Elfenbeinturms der Wissenschaft berichten.“ Ein solcher Input von außen hat ihm als Student immer gefallen. „Als meine Doktormutter, Professorin Gabi Troeger-Weiß, fragte, ob ich das machen möchte, habe ich sofort zugesagt.“ Auch er als Lehrender könne davon profitieren. So ermögliche ihm die Interaktion mit Studierenden neue Sichtweisen: „Wenn ich sie an Themen wie Klimawandel oder Energiewende setze, kommen dabei manchmal sehr interessante Ideen heraus, an die man selbst vielleicht schon gar nicht mehr denkt.“ Und, so ergänzt Matthias Proske, auch unter dem Aspekt eines Fachkräftemangels will er den Austausch mit den Studentinnen und Studenten nutzen: „Der Fachkräftemangel in allen Bereichen nimmt zu. Für mich als Arbeitgeber, der ich ja auch bin, ergibt sich so eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren.“ Vielleicht habe der ein oder andere ja Lust, nach dem Studium ins Ländle zu kommen, – um sein Wissen und Können im Bereich der Regionalentwicklung einzubringen. Matthias Proske hat gezeigt, dass man es weit bringen kann.

Bild des Benutzers Julia Reichelt
Erstellt
am 15.12.2022 von
Julia Reichelt