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10 Jahre Gründungsbüro
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Ideenschmiede im Pfälzer Wald startet ins nächste Jahrzehnt

Rund 400 Gründungsideen, mehr als 100 realisierte Gründungen, über acht Millionen Euro eingeworbene Fördergelder für Start-ups und Gründungskultur – das sind Zahlen, die sich sehen lassen können. Verantwortlich dafür ist das Team des Gründungsbüros der TUK und der Hochschule (HS) Kaiserslautern. Es feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Das Team hat viel erreicht, blickt in diesen Tagen aber nicht nur zurück, sondern in die Zukunft.

Von Unispectrum live

„Ich muss noch gerade einen Absatz fertig schreiben“, sagt Dr. Bernd Schu bei unserem Termin. Schnell tippt er die letzten Worte auf der Tastatur und speichert die Datei ab. Danach ist er fertig, nimmt sich Zeit. 

Es ist Gründonnerstag. Die Osterferien stehen kurz bevor. Auf dem Flur vor seinem Büro ist es an diesem Tag recht ruhig. Doch das täuscht: Die letzten Wochen waren arbeitsintensiv. Das Gründungsbüro, dessen Leiter Schu ist, bringt sich gerade für die nächste Förderperiode des Bundeswirtschaftsministeriums in Stellung. Die erste Hürde hat es bereits überwunden. Nun steht die Konzeptphase an. Bis Ende August hat es Zeit, neue Ideen zu entwickeln, sie auf Papier zu bringen und damit die Entscheider im Ministerium zu überzeugen. 

Jetzt, wo der Blick eigentlich nach vorne gerichtet wird, auf künftige Aufgaben, ist es auch einmal Zeit, die letzten Jahre Revue passieren zu lassen. Das Gründungsbüro der TU Kaiserslautern und der Hochschule Kaiserslautern feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. 2008 hat es Dr. Cornelia Blau, Leiterin des Referats Technologie und Innovation, mit Dr. Susanne Schohl, Leiterin des Referats Forschung und Projektkoordination an der HS, konzipiert, aufgebaut und Projektmittel dafür eingeworben. Seine Arbeit nahm es 2009 auf. 

„Wir waren damit die ersten in Rheinland-Pfalz“, sagt Schu. Nach und nach kamen Gründungsbüros an den Hochschulstandorten Koblenz-Landau, Mainz, Trier und Worms dazu. „Wir arbeiten heute partnerschaftlich zusammen, um für mehr Gründergeist im Land zu sorgen.“ Die Bilanz von Schus Team kann sich sehen lassen: Mehr als 100 Unternehmen mit vielen neuen Arbeitsplätzen sind aus den Gründungen an Uni und Hochschule sowie an den Forschungsinstituten in den letzten Jahren hervorgegangen. 

Dazu zählt zum Beispiel Complero – die Gründer haben eine Künstliche Intelligenz-Software entwickelt, die Kontakte von Unternehmen stets aktuell hält. Auch das Start-up A+ Composite vom Institut für Verbundwerkstoffe hält sich gut auf dem Markt. Es hat einen neuartigen faserverstärkten Kunststoff entwickelt hat, der fester als Stahl, zugleich aber auch leicht ist. Diese Tatsache macht den Werkstoff für eine Vielzahl von Anwendungen interessant, etwas in der Medizintechnik. Oder das Architektenteam des Start-ups Baukobox, das eine Software entwickelt hat, mit der Architekten einfacher planen und ihre Preise kalkulieren können.

„Wir haben über acht Millionen Euro Fördergelder eingeworben, diese sind unmittelbar Start-ups und der Gründungskultur zugutegekommen“, sagt Schu nicht ganz ohne Stolz. Einen Großteil hiervon machen sogenannte Exist-Gründerstipendien aus. Damit unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium gezielt Jungunternehmer auf ihrem Weg, sich auf dem Markt zu etablieren. Um bei dem Antrag für ein solches Stipendium erfolgreich zu sein, steht den Start-ups Katharina Neitzel als Ansprechpartnerin zur Seite. „Sie hilft dabei, die Anträge richtig und sachgerecht auszufüllen“, fährt er fort. „Unsere Bewilligungsquoten liegen dabei jedes Jahr deutlich über dem Bundesschnitt.“

Neu im Team ist seit Kurzem Gina Klein. Sie kümmert sich darum, um die Organisation der Verwaltungsabläufe im Gründungsbüro.

Aber auch in der Lehre ist das Thema Gründen mittlerweile präsent. An der TUK hat sich Professor Matthias Baum aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften das Thema „Entrepreneurship“ auf die Fahnen geschrieben. Und auch in Kaiserslautern und der Region steht es mittlerweile auf der Agenda.

Im Gründungsbüro kümmert sich das Team um sein „Kerngeschäft“: Es steht Studierenden und Forschern, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Unternehmen zu gründen, mit Rat und Tat zur Seite. Es begleitet Ideen, bietet Workshops an und hilft auch dabei, Förderanträge einzureichen. 

Dabei hat es sich nie gescheut, andere Wege zu gehen, um Neues auszuprobieren. Bundesweit kann es sich mit der eigenen Crowdfunding-Plattform „Ideenwald“ sehen lassen. Schus Mitarbeiter Bernhard Lorig hat sich vor ein paar Jahren zum Crowdfunding-Experten schulen lassen. „Nun ist er in Rheinland-Pfalz und im benachbarten Saarland der Ansprechpartner, wenn es um dieses Thema geht“, sagt Schu. Die Plattform soll Gründer und Förderer zusammenbringen.

Über Crowdfunding können Start-ups eine Vorfinanzierung ihres Produktes realisieren, in dem sie ihre Zielgruppe von ihrer Idee begeistern. Durch den Vorverkauf des Produktes kommt auf diese Weise genug Kapital zusammen, um dieses überhaupt erst herzustellen Mithilfe der Crowd lassen sich auf diese Weise in vielen Bereichen Ideen und Projekte umsetzen. „Es ist ein risikoarmes Umfeld, das als Grundlage für eine Kultur des Testens und Ausprobierens dient, die insbesondere Gründungsinteressierte unterstützt, eine Geschäftsidee vor dem tatsächlichen Markteintritt so facettenreich zu testen und zu prüfen, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich gesteigert wird“, erläutert Schu. Ideenwald ist 2017 an den Start gegangen. In dieser Zeit wurden 100 Projekte von insgesamt 8.250 Unterstützern mit über 530.000 Euro gefördert.

Der Name Ideenwald ist dann auch bezeichnend für die Lage von Uni und HS in Kaiserslautern. Im Pfälzer Wald gelegen hat sich hier in den vergangenen Jahren eine Ideenschmiede entwickelt, die Früchte trägt. Im Herbst wird die nächste Runde eingeleitet: Schneidet das Gründungsbüro beim Förderprogramm des Bundes erfolgreich ab, kann es die Weichen für die nächsten Jahre stellen, um den Gründergedanken in mehr Köpfe zu bringen. Und so richtet sich der Blick des Teams wieder nach vorne, auf das, was kommt. 

https://youtu.be/PsTi7yanoi0