© TUK/Koziel
Erfolgreicher Studienweg an der TU Kaiserslautern
6778 Views | 0 Notes
Doktor der Ingenieurwissenschaften mit 23

Mit gerade einmal 16 Jahren kam der Kameruner Jean Oscard Domguia Teto im Jahr 2014 für ein Maschinenbau-Studium an die TU Kaiserslautern. Nun hat er seine akademische Laufbahn mit einem Doktortitel krönen können. Für seinen weiteren Karriereweg will er vorerst in Deutschland bleiben.

Von Unispectrum live • Christine Pauli

„Endlich geschafft“, freut sich Dr.-Ing. Jean Oscard Domguia Teto - im Februar 2022 hat der junge Mann seine Doktorarbeit erfolgreich verteidigen können. Nun ist er frischgebackener promovierter Ingenieur. Fragt man, um was es denn in seiner Dissertation ging, dann antwortet er, dass Drohnen das Thema gewesen seien. Oder etwas genauer gesagt: Zu verhindern, dass Außenstörungen auf die an Drohnen angebrachte Messtechnik wirken. Dazu hat er an dem Entwurf einer Plattform gearbeitet, die auf Drohnen stabil bleiben soll. Das sei wichtig, erklärt Teto, wenn man Drohnen nutzen möchte, um Bilder zu erstellen, „auch für videobasierte Messungen mittels Drohnen ist das relevant.“ Er habe in diesem neuen Forschungsbereich an den ersten Schritten mitgewirkt, hat mit Simulationen und Isolierungssystemen gearbeitet: „Ich habe beispielsweise untersucht, wie man ein Isolierungssystem an der Drohne anbringen kann, sodass die Auswirkung der Außenstörungen auf die Messeinrichtung minimiert wird.“ Vereinfacht gesagt: Es geht darum, dass auf Drohnen angebrachte Objekte beim Einsatz weniger wackeln. Noch ist das Ganze nicht marktreif. Aber mit seiner Doktorarbeit hat er die dahintersteckende Technik entscheidend vorangebracht. 

„Immer dran bleiben. Irgendwann findet man eine Lösung“

Im Jahr 2014, mit gerade einmal 16 Jahren, kam der gebürtige Kameruner als Student an die TUK. Mit 20 Jahren hatte er seinen Masterabschluss in Maschinenbau in der Tasche. Es folgte die Promotion bei Professor Dr.-Ing. Jörg Seewig im Lehrgebiet für Messtechnik und Sensorik. 

Was war die größte Herausforderung während der Doktorarbeit? „Das selbstständige Arbeiten“, meint der junge Ingenieur. „Als Student wird man intensiv betreut. Bei der Promotion muss man selbst auf die Lösung eines Problems kommen. Und das ist nicht immer trivial.“ Sein Arbeitspensum war dabei enorm: Manchmal habe er Tag und Nacht gearbeitet, sei danach ins Fitnessstudio gegangen, habe noch etwas geschlafen – und dann ging es schon wieder weiter. „Das habe ich für mich gemacht. Es ging ja um meine Doktorarbeit. Und die sollte irgendwann fertig werden.“ Auch mit Rückschlägen musste er lernen umzugehen: „Es kann schon mal sein, dass man drei Monate arbeitet, ohne ein Ergebnis zu haben. Doch dann klappt endlich etwas.“ Anderen Doktoranden kann er daher nur empfehlen: „Immer dran bleiben. Irgendwann findet man eine Lösung.“ 

Hochschulgruppe „Soutien Academique“ hilft Studierenden aus dem Kamerun

Doch nicht nur sein eigenes Weiterkommen hatte Jean Oscard Domguia Teto in den letzten Jahren im Blick: Seit seinem dritten Semester war er als Tutor an der TUK tätig. So habe er etwa Übungen im Bereich Mathematik, Technische Mechanik, und Regelungstechnik betreut, wie er berichtet. Im Jahr 2018 hat er zudem die Hochschulgruppe „Soutien Academique“ gegründet. Es gehe darum, Kamerunern das Ankommen in Deutschland und an der Uni in Kaiserslautern zu erleichtern: „Wir geben Nachhilfe. Studierende im ersten Semester erhalten Nachhilfe von Kommilitonen aus dem dritten Semester. Studierende im dritten Semester dann wiederum von höheren Semestern.“ Das sei wichtig, da einige seiner Landsleute Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, „und deshalb nicht immer alles in den Lehrveranstaltungen richtig verstehen.“ Die Hochschulgruppe haben sie inzwischen sowohl an der Uni als auch an der Hochschule Kaiserslautern anerkennen lassen: So sei es möglich, Räumlichkeiten vor Ort zu nutzen. Mit dem Ausscheiden von Jean Oscard Domguia Teto leiten nun die beiden Studierenden Cyrille Ewoudi Ewoudi und Junior Cabrel Tatang Tatang die Gruppe weiter. „Das nächste Ziel ist, die Gruppenmitglieder beim Erwerb praktischer Kompetenzen durch die Organisation von Workshops und Seminaren zu unterstützen.“

„Nicht nur unter sich bleiben. Kontakte auch zu anderen knüpfen“

Sich gegenseitig unterstützen – welche weiteren Tipps kann er internationalen Studierenden mit auf den Weg geben? „Nicht nur unter sich bleiben. Kontakte auch zu anderen knüpfen.“ Gleich zu Beginn seines Studiums habe er sich mit drei deutschen Kommilitonen angefreundet. Auch das habe ihm dabei geholfen, die deutsche Sprache besser zu lernen: „Kontakte zu anderen sind auch bedeutsam, um an Informationen zu kommen. Wenn es zum Beispiel um Protokolle oder bestimmte Bücher geht.“ Und warum hat er sich damals für ein Studium im Ausland entschieden? „Im Kamerun gibt es nicht wirklich Chancen für alle. Trotz guter Ausbildung ist es schwer, eine Arbeit zu finden.“ War er denn nicht einsam ohne seine Familie in einem fremden Land? Nein, denn ganz alleine sei er ja ohnehin nicht gewesen: Insgesamt sechs Geschwister hat er. Außer ihm leben noch vier Weitere in Deutschland – in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg. „Wir sehen uns regelmäßig.“

Er will in einem Land bleiben, in dem die Technik auf dem neuesten Stand ist

Eine Anstellung hat der frisch Promovierte längst gefunden: als Entwicklungsingenieur bei der IAV GmbH in Heimsheim. Dafür ist er von Kaiserslautern weggezogen. Sein Arbeitsalltag sei nun ein ganz anderer als noch an der Uni, wie er ergänzt. Im Bereich Anforderungsmanagement sei er jetzt tätig. Die Aufgabe habe ihn gereizt: „Hier kann ich durch die Vielfalt der Aufgaben neue Dinge in verschiedenen Bereichen lernen.“ Und etwas lernen zu können war ihm schon immer wichtig. In Deutschland will er vorläufig bleiben. Mit seiner Ausbildung, inklusive einer Promotion, habe er nun mal die besten Berufschancen „in einem Land, in dem die Technik auf dem neuesten Stand ist.“
 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 13.05.2022 von
Melanie Löw