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Villa Denis
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Die Luft der Freiheit

Nur einen Katzensprung von Kaiserslautern entfernt liegt die denkmalgeschützte Villa Denis in Frankenstein. Die Ruhe und Abgeschiedenheit hier bieten einen idealen Raum für Tagungen. Auch dies war wohl mit ein Grund, weshalb die Stiftung für die TU Kaiserslautern mit Hilfe von zwölf Stiftern 2007 die Villa Denis erworben hat. Gebaut von einem Freiheitsdenker und Ingenieur, der einst die Eisenbahn nach Deutschland brachte, ist sie nun wieder gewissermaßen in „technischen Händen“.

Von Unispectrum live

Als der Ingenieur Paul Camille von Denis in den 1850er Jahren die Erlaubnis bekam, in Frankenstein eine Villa zu errichten, konnte er nicht ahnen, dass dieses Gebäude eines Tages in die Hände einer Universitätsstiftung gehen sollte. Doch der Reihe nach: Von Denis erbaute 1835 die erste Eisenbahnstrecke in Deutschland. Diese fünf Kilometer lange Strecke verlief zwischen Nürnberg und Fürth. Sie ist auch unter dem Namen „Ludwigsbahn“ in die Geschichte eingegangen. Im Anschluss folgte eine Bahnstrecke, die das Saarland mit dem Rhein verbinden sollte – um den Transport der Steinkohle zu erleichtern. Den Bau der „pfälzischen Ludwigsbahn“ schloss von Denis 1848 ab.

Für seine Leistungen gab König Ludwig I. dem Ingenieur die Erlaubnis, ein Grundstück sowie die nahegelegene Burgruine zu erwerben. Auf dem Gelände errichtet er die heute nach ihm benannte Villa. „Sie besticht durch ihre Atmosphäre“, weiß Dr. Annette Mechel, die den Vorstand der Stiftung für die TU Kaiserslautern innehat. Die Villa zählt zu den seltenen erhaltenen Gebäuden, die im Stil des von Italien abgeleiteten bayerischen Klassizismus erbaut wurden. Heute steht sie unter Denkmalschutz. „In den 90er Jahren wurde sie liebevoll restauriert, dabei konnte man auch die Wand- und Deckenmalereien rekonstruieren“, so Mechel. Diese stammen ursprünglich von Johann von Schraudolph, der unter anderem für seine Werke im Dom zu Speyer bekannt ist. Als vor rund zehn Jahren die Stiftung für die TU Kaiserslautern gegründet wurde, hat sie sich gemeinsam mit ihren Stiftern dazu entschlossen, das Gebäude und die Burgruine zu erwerben.

Die Villa Denis besticht durch ihre Atmosphäre

Dr. Annette Mechel

In der Villa Denis wohnt heute freilich niemand mehr. Das Haus dient der TU, ihren Stiftern und Forschungseinrichtungen als Raum für Tagungen und Veranstaltungen. „Hier können sich zum Beispiel Forschergruppen zurückziehen und in der Abgeschiedenheit über neue Projekte nachdenken. Die Villa bietet Tagungsteilnehmer die nötige Ruhe, um konzentriert zu arbeiten.“ Rund 120 Veranstaltungen finden hier jedes Jahr statt – auch ein paar Trauungen im Rittersaal zählen dazu. Bis zu 60 Personen haben in den Räumlichkeiten auf drei Etagen Platz. Im kommenden Jahr steht nun das nächste Kapitel an: Die Stiftung möchte ein Gästehaus nahe der Villa eröffnen, in dem rund 30 Menschen übernachten können. „So können wir auch mehrtägige Veranstaltungen abhalten“, so Mechel weiter.

Zur Villa gehört ein kleiner Park, über den Besucher die Burgruine Diemerstein zu Fuß erreichen können. Diese Burg wurde erstmals 1216 urkundlich erwähnt. „Im Jahr 1521 beherbergte sie den Reformer Ulrich von Hutten“, sagt Mechel. „Dessen Leitsatz ’Die Luft der Freiheit weht‘ ziert das Siegel der Stanford University.“ Dieser Satz passt auch zum damaligen Bauherren, der sich nicht nur der Technik verschrieben hatte, sondern als liberal denkender Mensch auch politisch engagiert war: Er war Mitglied im „Deutschen Press- und Vaterlandsverein“, der sich für Pressefreiheit und Demokratisierung einsetzte. 1832 haben von Denis und seine Mitstreiter das bekannte Hambacher Fest mitorganisiert. Es zählt heute zu den wichtigsten Ereignissen in der deutschen Demokratiegeschichte: Damals forderten hier bis zu 30.000 Menschen Freiheit, Demokratie und die nationale Einheit Deutschlands ein.

Und heute über 180 Jahre später bietet von Denisʾ Vermächtnis der Wissenschaft den notwendigen Freiraum, um an neuen Ideen zu feilen – vielleicht auch an der Eisenbahn der Zukunft.
 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 20.04.2016 von
Melanie Löw

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