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Gründungskultur in Estland
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Der Mensch steht im Mittelpunkt

Wie sieht es in anderen europäischen Ländern mit der Gründungskultur aus? Damit befasst sich das Team des Gründungsbüros schon seit geraumer Zeit. Erst kürzlich waren Bernhard Lorig und Katharina Neitzel eine Woche in Estland zu Gast, um sich dort ein Bild zu machen.

Von Unispectrum live

Das kleine Land mit seinen rund 1,4 Millionen Einwohner hat die beiden beeindruckt. „Es ist an einem Punkt, an dem wir in Deutschland noch lange nicht sind“, sagt Lorig. „Das Internet ist dort ein soziales Grundrecht.“ Da das Land sehr klein sei, gebe es keine Konkurrenzsituation. „Um erfolgreich zu sein, muss man kooperieren“, ergänzt seine Kollegin.

Auf ihrer Reise haben die beiden unter anderem das Mectory besucht, ein Innovationszentrum an der einzigen Technischen Uni in Estland, der TalTech. „Die Uni bietet Gründern alles, von Büros über Labore bis zu Werkstätten und Besprechungsräumen“, erzählt Lorig. Auch gebe es eine Sauna, in der man sich treffen könne. 

Was den Gründerberatern aus Kaiserslautern direkt ins Auge gestochen ist, war die farbenfrohe und ansprechende Anmutung der Räumlichkeiten. „Alles war derart gestaltet, dass man sich auf Anhieb wohl fühlt und Lust hat, zu bleiben“, fährt Neitzel fort. Das reicht von bequemen Sofalandschaften bis hin zu Tapeten, die das Gefühl vermitteln, im Wald zu sein. „Hier macht es Spaß, kreativ zu arbeiten“, ergänzt Lorig. 

Auch in der Creative City Estland waren sie zu Gast – einem ehemaligen Industriegelände, das herausgeputzt wurde und in dem sich die kreative Szene trifft. „Hier ist für jeden etwas dabei“, so Neitzel. „Es gibt Museen, Wagons mit kleinen Restaurants oder ein Schiffscontainer, in dem ein Radiosender zu Hause ist“, zählt Neitzel auf. Gründer, Studierende und andere können hier außerdem in sogenannten Coworkingspaces an eigenen Projekten arbeiten. Das Gelände ist stets gut besucht. Menschen verbringen hier gerne Zeit und fühlen sich wohl. 

„Auch hier war wieder alles sehr einladend und ansprechend gestaltet“, sagt Lorig. „Große Graffitis sind zum Beispiel ein schöner Blickfang an den Wänden der alten Fabriken.“ Regelmäßig finden verschiedene Kulturveranstaltungen statt, die auch ein großes Publikum auf das Gelände locken.

Darüber hinaus haben Lorig und Neitzel die Stadt Tallinn mit ihrem historischen Stadtkern, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, und die Mentalität der Leute sehr gut gefallen. „Wir planen Kooperationen mit estnischen Partner“, so Lorig weiter. 

Lorig war zuvor schon in Belgien und den Niederlanden, um die Gründerszene zu erkunden. Auch hier hat er immer wieder gesehen, dass Kreativität und Innovation zusammenkommen müssen, damit etwas Gutes entsteht. Aus Estland haben die beiden viele neue Ideen mit nach Kaiserslautern gebracht. Diese wollen sie in den kommenden Monaten in Angriff nehmen. Dabei sind sie sich einig, „den Menschen mit seinen persönlichen Bedürfnissen anzusprechen und nicht in erster Linie auf seine Funktion oder Aufgabe zu fokussieren“, so Lorig. „Der Mensch muss sich wohl fühlen und Lust darauf haben. Er braucht eine Atmosphäre, in der er kreativ sein kann und einen Ort, an dem er sein und verweilen möchte.“