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Neugierde für neue Lehr- und Lernformate wecken
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„Der Held in der eigenen Geschichte“

Spielerisch neue Lehr- und Lernformate in den Unterricht in Schulen und Hochschulen zu bringen, damit befasst sich Tim Wiegers vom Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (VCRP), der auf dem Campus der TUK seinen Sitz hat. Gefragt ist dabei eine große Portion Kreativität und Einfallsreichtum.

Von Unispectrum live

An Ideen mangelt es Tim Wiegers nicht. Auch wenn sein Büro auf dem Kaiserslauterer Campus unscheinbar daher kommt – eben wie ein gewöhnlicher Raum mit Schreibtischen, Stühlen, Schränken und leise surrenden Rechnern –, muss der junge Mann kreativ werden, um Neugierde zu wecken. Und zwar auf neue Lernformate, sogenannte OER-Materialien. OER steht für Open Educational Resources. Gemeint sind Materialien, die meist online unter freier Lizenz, entsprechend gekennzeichnet, zur Verfügung stehen. Dabei kann es sich etwa um Filme, Podcasts, Grafiken oder Aufgaben mit einem QR-Code handeln. Jeder kann sie anbieten, nutzen und weiterbearbeiten.

Führten OER früher eher ein Nischendasein, sind sie mittlerweile viel geschätzt, nicht nur bei Lehrkräften, sondern beispielsweise auch bei Studis. Doch diese Welt der neuen Lernmedien bringt auch neue Herausforderungen mit sich, die es zu berücksichtigen gilt, wenn man mit ihnen arbeiten oder sie entwickeln möchte, etwa in puncto Urheber- und Bildrechte.

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Ich denke mir Geschichten aus, die zum Mitmachen animieren sollen.

Tim Wiegers

Doch zurück zu Tim Wiegers. Er möchte neugierig auf diese neuen Formen von Unterrichtsmaterialien machen und dabei auf wichtige Grundlagen eingehen. Und wie geht das? „Man muss die Leute mitnehmen, sodass sie selbst aktiv werden, quasi zu Helden in einer Geschichte werden. Auf diese Weise lässt sich Wissen gut vermitteln“, sagt er. Wiegers weiß, wo von er spricht. Er hat Computeranimation für Film und Games sowie Angewandte Medien studiert und früher Kinderfilme produziert. Dies kommt ihm bei seiner jetzigen Arbeit zugute.

Beim VCRP entwickelt er Online-Kurse, die sich als Fortbildungsangebote an Lehrkräfte von Schulen und Hochschulen richten. Für die OER-Materialien hat er nun erstmals an einer OER-Rallye getüftelt, die vor kurzem zu Ende gegangen ist. „Es geht darum, innerhalb von vier Wochen verschiedene Aufgaben zu lösen, die wir in Episoden eingeteilt haben“, sagt Wiegers.

In gewisser Weise ähnelt diese Rallye einer Art digitalen Schnitzeljagd. Und damit diese nicht zu trocken und langweilig daherkommt, ist Einfallsreichtum gefragt. „Ich denke mir Geschichten aus, die zum Mitmachen animieren sollen“, sagt er weiter. In Fachkreisen ist in diesem Zusammenhang von Gamification die Rede – Elemente aus der Spielewelt halten Einzug in andere Bereiche, in diesem Fall in die Pädagogik. „Das Ganze ist mit einem Augenzwinkern zu sehen“, schiebt er hinterher. So geht es zum Beispiel in der ersten Episode der Online-Rallye um Lemuren, eine auf Madagaskar heimische Primaten-Art. „Im Fokus standen hier die Bildrechte und was es dabei zu beachten gibt. Um in der Rallye weiterzukommen, braucht man bestimmte Informationen, die wir zum Teil zur Verfügung stellen oder die man selbst recherchieren muss.“

Insgesamt vermittelt die Rallye alles Wichtige zu OER in spielerischer Form, seien es zum Beispiel Urheberrechte, den Umgang mit offenen Lizenzen oder die Nutzung von Bilddatenbanken, die Fotos gemeinfrei zur Verfügung stellen. Sie soll zudem auf Probleme aufmerksam machen, die es beim Umgang mit OER zu beachten gibt. Auch vermittelt sie das notwendige Rüstzeug, um diese Materialien selbst zu erstellen. „Wir setzen bei dem Kursformat auf verschiedene Elemente, wie Memory, Quiz, teilweise müssen auch eigene Texte geschrieben werden. Am Ende der Aufgaben wartet immer ein Problem, das gelöst werden muss.“ Ist dies erfolgreich erledigt, gibt es Punkte. „Besonders Fleißige erhalten am Ende ein sogenanntes nOERrd-Zertifikat“, sagt Wiegers und lacht. „Das hat bei der Gruppe auch dazu beigetragen, dass die Motivation hoch war. Gut geklappt hat es zudem mit dem Austausch und der Vernetzung innerhalb der Gruppe.“

Und auch für die nächste OER-Rallye wird sich Wiegers wieder etwas einfallen lassen, um spielerisch in neue Geschichten einzutauchen.

Über den Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz

Den Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) gibt es bereits seit 2000. Er ist eine hochschulübergreifende wissenschaftliche Einrichtung des Landes, die das Ziel hat, digitale Medien auf vielfältige Art und Weise zu verankern. Dabei geht es um digitale Bildungsmedien sowie neue Lehr-Lerntechnologien. Auch die Medien­Kompetenzförderung soll gestärkt werden sowie das Arbeiten mit OER und der Ausbau der videobasierten Lehre. Weitere Infos unter www.vcrp.de

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 13.02.2019 von
Melanie Löw