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Hin zur unternehmerischen Universität:
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Das Gründungsbüro hilft beim Aufbau des eigenen Start-ups

Effizientere Antriebe, Augmented Reality, neue Werkstoffe für den Automobil und Flugzeugbau oder neuartige Techniken für die Industrie – in Master- und Doktorarbeiten entstehen meist viele Produkte, Konzepte oder Ideen. Sich damit selbstständig zu machen und ein eigenes Unternehmen zu gründen, davor schrecken die meisten Doktoranden und Absolventen zurück. Auch an der TU ist das der Fall. Bislang – denn das Gründungsbüro der TU und der Hochschule Kaiserslautern hilft angehenden Unternehmern dabei, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Von Unispectrum live • Melanie Löw

Die Gründerszene in Deutschland boomt: Laut Bundeswirtschaftsministerium wagen jedes Jahr rund 900.000 Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit. Immer mehr Investoren suchen nach jungen Talenten. Auch an 100 Hochschulen hat man den Trend längst erkannt: Sie helfen ihren Studentinnen, Studenten und Mitarbeitern, das eigene Start-up ins Leben zu rufen. Sie stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite – ob es darum geht ein tragfähiges Geschäftsmodells zu entwickeln, einen Businessplan zu erstellen, öffentliche Fördergelder zu beantragen oder private Kapitalgeber zu suchen. „Der Prozess einer Unternehmensgründung ist spannend und birgt immer wieder neue Chancen und Risiken“, weiß Professor Dr. Matthias Baum, der an der TU den Lehrstuhl für Entrepreneurship innehat. „Um genau diese Chancen jedoch optimal zu nutzen und möglichst viele Risiken zu vermeiden, ist es für Start-ups essentiell, Unterstützung zu beanspruchen, die die Hochschulen hierfür bereithalten.“

Wir beraten und begleiten angehende Unternehmer auf den Weg in ihre Selbstständigkeit.

Bernd Schu

Um auch an der TU Gründungspotenziale systematisch zu erschließen und kreative Problemlösungen sowie Forschungsergebnisse in der Region professionell zu verwerten, ist das Gründungsbüro bereits seit 2009 auf dem Campus der TU Anlaufstelle für alle, die sich mit einer solchen Idee tragen. „Wir beraten und begleiten angehende Unternehmer auf den Weg in ihre Selbstständigkeit“, so Dr. Bernd Schu, Leiter des Gründungsbüros. „Wir besprechen zum Beispiel mögliche Geschäftsmodelle und Finanzierungen durch.“ Schu und sein Team arbeiten dabei eng mit Professor Baum zusammen.

Das Gründungbüro bietet aber nicht nur individuelle Beratung an, sondern stellt den Start-up-Unternehmen für die Anfangsphase auch Räume und Infrastruktur auf dem Campus zur Verfügung. Daneben veranstaltet es Workshops und Seminare, bei denen sich die Jungunternehmer das nötige Wissen aneignen können. „Regelmäßig referieren Experten aus der Praxis zu verschiedenen Themen“, so Professor Baum. Sie zeigen zum Beispiel auf, wie man einen richtigen Businessplan erstellt, wie man Geldgeber von der eigenen Idee überzeugt, wie man sich am besten vermarktet oder welche rechtlichen Aspekte es bei der Gründung zu beachten gibt. „Für die meisten sind das völlig neue Gesichtspunkte“, berichtet Schu. Der studierte Biologe hat damals nach seiner Promotion selbst ein Unternehmen gegründet. Er weiß also genau, wovon er spricht, wenn der Studenten und Doktoranden bei ihren Vorhaben berät. „Die Jungunternehmer haben sich während ihres Studiums oder der Promotion nur selten mit Fragen zum Unternehmertum auseinandergesetzt. Das ist alles Neuland. Wir begleiten sie auf diesem Weg und möchten das Optimum aus ihnen herausholen.“

Darüber hinaus wollen Baum und Schu auf dem Campus der TU eine Gründerkultur schaffen. „Jeder soll sich im Laufe seines Studiums wenigstens einmal mit dem Gedanken befassen, ein unternehmerisches Projekt zu verfolgen oder sogar ein eigenes Unternehmen zu gründen“, so Baum. Die beiden Gründungsexperten möchten das Thema in den kommenden Jahren auch stärker in Forschung und Lehre ausbauen. „Die Forschung zum Unternehmertum muss intensiviert werden“, findet Baum. So plant er derzeit mit Partneruniversitäten aus der Großregion ein gemeinsames Doktorandenprogramm aufzulegen, bei dem der wissenschaftliche Nachwuchs zu unterschiedlichen Aspekten rund um das Unternehmertum forschen kann. „Wir planen auch eine Ringvorlesung dazu“, fährt Baum fort. „In den Wirtschaftswissenschaften ist das Thema schon lange Bestandteil des Lehrplans. Aber auch in den Naturwissenschaften und der Technik sollen Studierende die Möglichkeit haben, solche Angebote wahrzunehmen.“

Gründer zu fördern ist bundesweit ein Trend. Damit die Jungunternehmer ihre Ideen realisieren können und nebenbei nicht jobben müssen, um laufende Lebenshaltungskosten wie die Miete zu bezahlen, bietet zum Beispiel das Bundeswirtschaftsministerium zwei Förderprogramme an. „Wir helfen unseren Gründern dabei, sich bei diesem EXIST-Gründerprogramm zu bewerben“, so Schu. Und dies bislang mit beachtlichem Erfolg. „Fast alle Anträge unserer Gründer wurden bewilligt“, freut sich Schu über die Quote. Die Kaiserslauterer Jungunternehmer können sich so in dieser Zeit ganz auf ihr Vorhaben konzentrieren und es weiterentwickeln.

In den vergangenen Jahren haben rund 80 Firmen an der TU den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt – davon 18 alleine im Jahr 2015. Und auch künftige Absolventen werden sich trauen - dank der Unterstützung des Gründungsbüros.

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 15.07.2016 von
Melanie Löw

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