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Auf dem Weg zum nachhaltigen Campus

Wachsende Müllberge, steigender Energieverbrauch, hoher Schadstoffausstoß, ungleiche Verteilung von Vermögen – die Menschheit lebt auf der Erde recht verschwenderisch trotz begrenzter Ressourcen. Vielerorts findet aber ein Umdenken statt. Auch an der TU Kaiserslautern tut sich etwas in Sachen Nachhaltigkeit: Im Nachhaltigkeitsbüro kümmert sich das Team um Professorin Katharina Spraul und Julia Hufnagel darum, in Forschung, Lehre, Verwaltung und bei Studentinnen und Studenten ein Bewusstsein für das Thema zu wecken.

Von Unispectrum live • Melanie Löw

Wie kann man den Klimawandel noch verringern? Wie sollen wir mit knapp werdenden Ressourcen umgehen? Was lernen wir für die Zukunft aus der Wirtschafts- und Finanzkrise? Was tun gegen Chancenungleichheit? – Mit Fragen wie diesen werden sich die Menschen in den kommenden Jahren immer stärker befassen müssen. Doch wie auf all dies reagieren? „Gerade Universitäten kommt bei der Lösung solcher Probleme als wichtige Institution des Bildungssystems eine Schlüsselaufgabe zu“, sagt die Diplom-Wirtschaftschemikerin Julia Hufnagel. „Nachhaltigkeit ist eine Querschnittsaufgabe, die in allen Bereichen einer Universität stattfindet.“ Hufnagel koordiniert an der TU im Sommersemester 2016 das Nachhaltigkeitsbüro, das am 1. April seine Arbeit aufgenommen hat. Gemeinsam mit vier studentischen Hilfskräften kümmert sie sich darum, das Thema an der Universität bekannter zu machen.

Dabei geht es nicht nur darum, auf dem Campus den Abfall zu verringern, den Wasserverbrauch zu senken und Energie einzusparen. Ziel des Nachhaltigkeitsbüros ist es, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und Verwaltung zu schaffen. So bezieht sich der Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht nur auf ein umweltfreundliches und ressourcenschonendes Verhalten. „Wir betrachten alles aus den Blickwinkeln der Ökologie, dem Sozialen und der Ökonomie“, erläutert Hufnagel. „Es geht etwa auch um soziales Miteinander, sozialverträgliche Personalentwicklung, Chancengleichheit zwischen Mann und Frau, transparente Finanzen oder umweltfreundliche Mobilität.“

Nachhaltigkeit ist eine Querschnittsaufgabe, die in allen Bereichen einer Universität stattfindet.

Julia Hufnagel

Zu den Aufgaben des „Nachhaltigkeitsbüros“ zählt es auch, den Nachhaltigkeitsbericht der TU zu erstellen. Dieser informiert umfassend über die wirtschaftliche, soziale und ökologische Situation der Hochschule. Bereits für die Jahre 2013 und 2014 hat die TU als eine der ersten Universitäten Deutschlands einen solchen vorgelegt. Damals noch unter Federführung von Professor Michael von Hauff. Die Privatwirtschaft ist erst ab dem Geschäftsjahr 2017 verpflichtet solch einen Report zu veröffentlichen. „Der Bericht hilft uns, zu sehen auf welchem Weg die TU ist, was wir schon erreicht haben, aber auch, was noch zu tun ist“, sagt Hufnagel.

Bereits jetzt wird auf dem Kaiserslauterer Campus beispielsweise schon viel in Sachen Nachhaltigkeit geforscht. Materialwissenschaftler entwickeln etwa energieeffizientere Materialien, Informatiker neue Formen der Elektromobilität, Biologen Konzepte, um die Biodiversität zu erhalten, und Bau- und Raumplaner nachhaltige Wohnraumkonzepte für die Zukunft. Architekten beschäftigen sich ferner mit Holz als umweltfreundlichen Rohstoff für den Bau von Gebäuden, Biotechnologen und Chemiker entwickeln neue Verfahren auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen für die Chemie-Industrie und Bauingenieure arbeiten an energiesparsamen Baukomponenten. Im vergangenen Sommersemester gab es zudem erstmals einen Online-Kurs zum Thema Nachhaltigkeit. „Er stand jedem offen und zielte darauf ab, Forschung verschiedener Fachdisziplinen erfahrbar und sichtbar zu machen“, sagt Hufnagel.

„In der Forschung möchten wir in den kommenden Jahren eine noch stärkere Vernetzung erreichen, als dies jetzt schon der Fall ist“, so die junge Wirtschaftswissenschaftlerin, die zusätzlich zu ihrer aktuellen Koordinationsstelle beim Nachhaltigkeitsbüro auch bei Professorin Spraul am Lehrstuhl für Sustainability Management zu nachhaltigen Innovationen von Unternehmen im Rahmen ihrer Doktorarbeit forscht. „Auch die Lehre soll ihren Beitrag leisten. Denn in den Vorlesungen sitzen die Studierenden als unsere Multiplikatoren, die das Thema fernab der Hörsäle verbreiten können.“ Studentische Forschungsprojekte zur Nachhaltigkeit können auch im Studium anerkannt werden.

Ein solches Projekt geht demnächst an den Start: Drei Studentinnen werden untersuchen, wie hoch das Müllaufkommen in der ganzen Universität ist. Ihre Daten werden sie mit denen anderer Hochschulen vergleichen und überlegen, wie Abfälle sinnvoll als Wertstoff verarbeitet werden können. Außerdem können Studentinnen und Studenten in vielen Fächern, etwa aus den Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, Lehrveranstaltungen besuchen, die sich diesem Thema widmen.

Das Konzept der Nachhaltigkeit umfasst alle universitären Bereiche: Auch die Verwaltung soll Forschung und Lehre diesbezüglich in Nichts nachstehen. Dabei spielen beispielsweise Themen wie familienfreundliche Arbeitszeiten, ein effizientes Qualitätsmanagement, behindertengerechte Büros oder ergonomische Arbeitsplätze eine Rolle. Zudem geht es um einen grünen Campus, Gesundheitsprävention oder auch darum, dass die TU gut mit Bus und Bahn zu erreichen ist.

Die Idee des Nachhaltigkeitsbüros ist nicht neu: Sie stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Hier haben mittlerweile viele Universitäten und öffentliche Einrichtungen eine solches „Green Office“ eingerichtet. Auch in Deutschland haben einige Universitäten diesen Trend erkannt. Als eine der ersten ist nun die TU Kaiserslautern dabei, die Gestalter und Entscheider von morgen auf ein nachhaltiges Leben vorzubereiten.

Mehr zum Nachhaltigkeitsbüro unter www.uni-kl.de/universitaet/engagement/nachhaltigkeitsbuero/

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 08.06.2016 von
Melanie Löw

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