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TUK-Alumnus Mike Kopp
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Karriere zwischen Uni und Feuerwehr

Mike Kopp ist Abteilungsleiter Personal- und Einsatzplanung bei der Feuerwehr Kaiserslautern. Er profitiert in seiner beruflichen Laufbahn von zwei Bildungspfaden: Er hat eine Ausbildung für den gehobenen technischen Dienst bei der Feuerwehr absolviert. Zudem hat er zwei Studiengänge –Biotechnologie sowie Baulicher Brandschutz und Sicherheitstechnik – erfolgreich abgeschlossen. Sein Beispiel zeigt, wie sich Kompetenzen aus Berufsausbildung und Studium gewinnbringend verknüpfen lassen.

Von Unispectrum live • Julia Reichelt

Kopp trägt das „Feuerwehr-Gen“ in sich. Sein Vater war Wehrführer in einem Dorf mit knapp 200 Einwohnern. „Also musste ich erst einmal zur Feuerwehr“, so der Ingenieur, „was mich anfänglich nicht begeistert hat“. Nach der Schule nahm er seine Zukunft selbst in die Hand und absolvierte eine Ausbildung zum Chemiefacharbeiter. „Danach wollte ich studieren“, sagt der 53-Jährige. Die Wahl fiel auf den Studiengang Biotechnologie, Fachbereich Verfahrenstechnik an der Fachhochschule Bingen. Gegen Ende des Studiums meldete sich die Bundeswehr, um ihn zum Wehrdienst einzuziehen. Statt Wehrdienst absolvierte er studienbegleitend den Ersatzdienst im Katastrophenschutz bei der Feuerwehr. Und hat so schließlich doch Feuer gefangen.

Der Reiz des Ungewissen siegt

Nach nur drei Arbeitsmonaten in der Industrie – es hatte ihn über die Diplomarbeit zurück ins ausbildende Unternehmen geführt – startete er bei der Feuerwehr Kaiserslautern. Rückblickend beschreibt Kopp seinen Entscheidungsweg so: „In der Raffinerie, in der ich damals arbeitete, wusste ich bereits im Voraus, was in den kommenden Wochen und Monate ansteht und zu tun ist. Bei der Feuerwehr ist nichts vorhersehbar. Jeder Einsatzfall ist anders und bringt andere Herausforderung mit sich. Diese Ungewissheit reizt mich noch heute.“ Sein Wissen rund um die Biotechnologie ist übrigens auch bei der Feuerwehr gefragt – etwa, wenn es etwa um Einsätze mit gefährlichen Stoffen geht.

Dank seines FH-Diploms konnte er dort direkt mit der Ausbildung im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst starten. Er wurde Einsatzleiter, Ausbildungsleiter und schließlich Abteilungsleiter Personal- und Einsatzplanung. Wenn der Einsatzdienst ansteht, ist er verantwortlicher Entscheider in größeren Gefahrenlagen und im Katastrophenfall. Des Weiteren umfasst seine Tätigkeit die Verantwortung für die Personalplanung der drei Wachabteilungen bei der Kaiserslauterer Feuerwehr. „Einsatzplanung ist all das, was wir im Vorfeld eines Einsatzes tun können“, erklärt Kopp. Wir erarbeiten beispielsweise, wie wir im Einsatzfall bestimmte Gebäude in der Stadt am besten anfahren, wie vor Ort ein Einsatz effizient ablaufen kann.“

Wissen per Fernstudium am DISC vertieft

Wieder an die Uni geführt hat es Kopp vor wenigen Jahren, als ihn ein Kollege bat, seine Masterarbeit zu betreuen. Das Vorhaben scheiterte beinahe, weil er selbst keinen Masterabschluss vorweisen konnte. „Es fand sich zwar eine Ausnahmeregelung, so der Ingenieur. „Jedoch hat mich das Thema Master nicht mehr losgelassen.“

Ein weiteres Gebiet bei der Feuerwehr ist der vorbeugende Brandschutz: „Dies umfasst im Prinzip all das, was passiert, bevor die Feuerwehr vor Ort kommt und ist eine wichtige Schnittstelle zur Einsatzvorbereitung“, sagt er. „Zum Beispiel das Überprüfen von Baugenehmigungen im Hinblick auf den Brandschutz.“ Also bot sich der berufsbegleitende Masterstudiengang Brandschutzplanung am DISC an (Anm. der Redaktion: Das DISC ist Distance and Independent Studies Center, das Fernstudienzentrum der TUK), um vorhandene Kenntnisse zu vertiefen. „Mit der Fernlehre bin ich sehr gut zurechtgekommen. Ich konnte meine Zeit flexibel einteilen, etwa abends auf die Couch den Lernstoff in meinem Tempo durcharbeiten“, resümiert Kopp.

Vom Masterabschluss profitieren beide Seiten

Seine damit verbundene Masterarbeit im Fachbereich Bauingenieurwesen hat er 2018 dafür genutzt, um ein neues Bildungsangebot für die Feuerwehr auf den Weg zu bringen. Die Folgen des Klimawandels, etwa Starkregen- und Hochwasserereignisse, stellen die Einsatzkräfte im Katastrophenfall vor besondere Herausforderungen. Das war ihm zuletzt 2016 bewusst geworden, als ganz Kaiserslautern nach Starkregen zum Katastrophengebiet wurde. Aus seiner konzeptionellen Vorarbeit ist das Ausbildungsmodul BiWaWehr zum Umgang mit wasserbezogenen Gefahren entstanden. Inzwischen haben rund 500 Einsatzkräften von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk damit für den Ernstfall trainiert.

Ebenso hat das Studium den Brandschutzexperten bei seiner Arbeit weitergebracht. „Gerade das intensive Beschäftigen mit Wissen hat mir, auch wenn ich vieles schon vorher kannte, neue Perspektiven und Herangehensweisen eröffnet. Und viele Arbeitsschritte fallen mir leichter. Etwa das schnelle Erfassen von komplexen Plänen, mit denen ich es bei der Feuerwehr häufig zu tun habe“, so Kopp. Was ihn besonders freut: Mit dem Masterabschluss hat er einen auch außerhalb der Feuerwehr anerkannten Abschluss in der Tasche. Beruflich umorientiert hat er sich nicht. Denn er hatte seine Berufung schon zuvor gefunden.

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Erstellt
am 29.11.2022 von
Julia Reichelt