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1.000. Promotion bei Maschinenbauern und Verfahrenstechnikern

Timo Kiekbusch hat als 1.000. Doktorand seine Promotion im Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik abgeschlossen. Der 34-Jährige forscht zu Wälzlagern, die zum Beispiel in Windrädern, aber auch in Getrieben von Autos vorkommen. Er hat eine Computersimulation entwickelt, mit der er unter anderem prüfen kann, wie sich die Wälzlager in ihrer technischen Umgebung verhalten.

Von Unispectrum live

Dass Kiekbusch eines Tages die 1.000. Promotion in seinem Fachbereich ablegen würde, hatte er sicherlich nicht auf der Rechnung, als er sich dazu entschloss, bei Professor Bernd Sauer am Lehrstuhl für Maschinenelemente und Getriebetechnik zu promovieren. „Das war Zufall, dass ich derjenige war“, sagt Kiekbusch, der Anfang Februar seine Promotionsprüfung bestanden hat.

Der Ingenieur aus Grünstadt forscht schon lange bei Professor Sauer. An seinem Lehrstuhl arbeiten die Forscher in den Bereichen Tribologie, Dichtungs- und Antriebstechnik sowie Wälzlager. „Als studentische Hilfskraft war ich bereits am Lehrstuhl tätig“, so Kiekbusch, der vor der Promotion an der TU Maschinenbau studierte. „Dabei hatte ich das erste Mal wissenschaftlich mit Wälzlagern zu tun.“

Diese Lager bestehen in der Regel aus einem Außen- und Innenring, dazwischen befinden sich Wälzkörper, zum Beispiel Kugeln. Ihre Funktionsweise kann man mit der Methode vergleichen, mit der die alten Ägypter vor Tausenden von Jahren die riesigen Steine für den Bau der Pyramiden an die Baustätte brachten. Sie nutzten Baumstämme, die sie unter die Steine gelegt haben. Auf diese Weise konnten sie die Steine über weite Strecken bewegen. „Hierbei wird die Gleitreibung durch Rollreibung ersetzt. Auch bei Wälzlagern ist das der Fall“, sagt Kiekbusch, der seit 2011 den Forschungsbereich Simulation Wälzlager und seit 2013 den gesamten Bereich Wälzlager leitet. „Das macht die Lager für unterschiedliche Anwendungen interessant. Ein bekanntes Beispiel sind die Räder von Fahrrädern oder Inliner-Rollen.“ Wälzlager kommen in vielen technischen Geräten zum Einsatz, sie variieren dabei in ihrer Größe und Form. Sie finden sich beispielsweise in Autogetrieben, Windkraftanlagen und Radlagern von PKWs.

In seiner Promotion hat Kiekbusch eine Computersimulation entwickelt, mit der er überprüfen kann, ob das Wälzlager mit seiner Umgebung richtig interagiert. Dabei musste der Ingenieur nicht nur auf sein Fachwissen aus dem Studium zurückgreifen. Auch seine Programmier-Kenntnisse, die er sich neben seinem Studium und im Rahmen seiner Tätigkeit am Lehrstuhl selbst  angeeignet hat, waren bei der Arbeit wichtig. Mit seiner Simulation kann er untersuchen, wie sich Wälzlager in ihrem technischen System verhalten. Mit der Technik lassen sich verschiedene Anwendungsszenarien durchspielen. „Wir können damit Schäden voraussagen und sehen zum Beispiel auch, wo Ursachen für Fehler liegen.“ Darüber hinaus hat sich Kiekbusch in seiner Arbeit auch damit befasst, seine Modelle in der Praxis zu testen. Dazu hat er etwa Messungen am Prüfstand durchgeführt.

So haben die Forscher um Kiekbusch mit ihrem Computerprogramm bereits für Industriekunden untersucht, warum es bei deren Wälzlagern zu Problemen kommt. Nach seiner Promotion bleibt Kiekbusch der TU erst einmal treu. Er arbeitet weiter bei Professor Sauer und widmet sich den Wälzlagern.

 

 

Bild des Benutzers Melanie Löw
Erstellt
am 03.03.2017 von
Melanie Löw